
Vielleicht mag ich gebrochene Charaktere und die Geschichten, die sie zu erzählen haben. Vielleicht mag ich es auch, wenn mich diese Geschichten dann auseinandernehmen und gleichzeitig wieder zusammensetzen – und vielleicht hat dieser Band genau das Potential dazu. Für mich war „Fiore“ das erste Buch des Autors und ich muss sagen, es hat mich von Beginn an gefesselt. Durch eine unglückliche Fügung landet Fiore im Jugendgefängnis und merkt schnell, dass dort ganz eigene Regeln gelten. Zwischen Gewalt, Übergriffen und Missbrauch fällt es zunehmend schwerer, nicht den Halt zu verlieren. Sein einziger Lichtblick ist Isahia, mit dem er sich nicht nur eine Zelle teilen wird, sondern Momente der Angst, der Verzweiflung, der Hoffnung und der Leidenschaft. Isahia, anmutig und zerbrechlich, wirkt so fehl am Platz, genau wie die hingebungsvolle und zaghafte Bindung, die sich zwischen den beiden entwickelt. Und so schafft er es eine Leere in Fiore zu füllen, die sich aufgrund eines schrecklichen Verlustes vor vielen Jahren in sein Innerstes gefressen hat. Wir fühlen so viel – an einem Ort, der keine Emotionen zulässt. Der Autor schafft es, die Spannung von Anfang bis Ende aufrechtzuerhalten, in dem er Zeitsprünge einbaut und Einblicke in das Leben vor und nach dem Gefängnisaufenthalt gestattet. Dadurch gibt er uns Geschehnisse aus der Vergangenheit mit auf den Weg, ohne zu viel zu verraten. Geschmückt ist das Buch zudem mit Zeichnungen, die Szenen aus der Geschichte zeigen und es optisch zu einem Hingucker machen – genauso wie das Cover, welches die Charaktere so unglaublich gut in Szene setzt. Die Story der beiden hat mich wirklich sehr mitgerissen – Leid und Hoffnung lagen so oft beieinander, dass ich mehrfach im Gefühlschaos versunken bin. Und ich habe jedes einzelne Mal geliebt. Einziges Manko meinerseits sind die kleinen Fehlerchen, die sich im Buch versteckt haben und über die ich doch etwas gestolpert bin.







