Es gibt Reihen, die begleitet man über mehrere Bände hinweg und denkt sich: Okay, das war schön. Und dann gibt’s Reihen wie diese wo jeder Band ein kleines Stück Zuhause geworden ist.
Northern Twilight war für mich ein würdiger, emotional geladener Abschluss, der alles vereint hat, was Samantha Young so gut kann: ehrliche Gefühle, glaubwürdige Konflikte, Charaktere mit Ecken, Kanten und Vergangenheit und eine Landschaft, die fast selbst zur Figur wird. Der Romance-Teil war wie erwartet intensiv und mitreißend, ohne ins Kitschige abzurutschen. Was mir besonders gefallen hat: Die Figuren gehen nicht mit einem clean slate in die Geschichte. Sie tragen Dinge mit sich alte Verletzungen, unausgesprochene Sehnsüchte, Versäumnisse. Aber genau deshalb fühlt sich der Weg, den sie gehen, auch verdient an. Nicht einfach Liebesgeschichte, sondern: Liebesarbeit. Die Stimmung des Buchs ist wieder wunderbar nordisch ein bisschen rau, ein bisschen neblig, manchmal so klar wie kalte Luft im November, manchmal so diffus wie der Dämmerzustand zwischen Aufbruch und Abschied. Es hatte dieses bittersüße Gefühl, das einem beim Lesen die Kehle zuschnürt, weil man weiß: Das hier ist das letzte Mal. Und doch fühlt es sich nicht wie ein Ende an. Eher wie ein letzter Blick zurück auf Menschen, die man lieben gelernt hat.


