14. Aug.
Bewertung:2.5

Bei dieser Geschichte treffen 2 Dinge aufeinander, die mir und meiner Kollegin den Hör-Spaß richtig verleidet haben. Zum einen hätte man den Protagonisten Samuel Holler deutlich sympathischer darstellen können – nämlich als einen Vater, der mit dem Tod seiner Tochter nicht klar kommt (den er auch noch mit eigenen Augen anschauen musste) und dessen Leben deswegen nicht mehr ist, wie es einmal war. Ein Mann, der unter Depressionen und Ängsten leidet und ab und an mal der Illusion unterliegt, dass er in einer Person seine tote Tochter erkennt. Mit ihm hätte ich tatsächlich Mitleid gehabt. Statt dessen wird dem Leser mit Samuel Holler eine der unsympathischsten Personen aufgetischt, die man nur hatte erschaffen können. Ein versoffener Typ, der (seit Jahren!) unter permanentem Alkoholeinfluss seiner Arbeit als Klinik-Psychologe nachgeht und sich in die Idee verrennt, dass die neue Patientin auf Station seine Tochter Mia ist. Ständig ist er am Kotzen, ständig kommt ihm die Magensäure hoch oder auch mal nur „Brocken“, er kotzt aufs Sofa und das darf dann auch dort antrocknen und liegen bleiben und seine Besucher optisch erfreuen – und wenn er nicht am Kotzen bzw. am Saufen ist, ist er im Krankenhaus und sitzt am Bett von Mia und legt sich dort mit den Ärzten und dem Pflegepersonal an. Wenn er besoffen ist kommt es auch schon mal vor, dass er seiner Frau (die im gleichen Haus mit ihm wohnt, jedoch auf einer anderen Etage, also seit dem Tod von Mia getrennt lebend) eine Ohrfeige verpasst, an die er sich später nicht mehr erinnern kann. Ein echter Unsympath also, was für den Hauptprotagonisten einer Geschichte in meinen Augen kontraproduktiv ist, denn mit diesem Menschen soll ich eigentlich mitfühlen und mitleiden können. Der zweite Aspekt, der uns den Spaß an der Geschichte genommen hat, ist eindeutig der Hörbuch-Sprecher. Natürlich sind solche Empfindungen individuell und jemand anderer findet die Darbietung toll (auf jeden Fall muss es ja der Autorin gefallen haben), für meine Kollegin und mich war es jedoch ein Krampf. Wir haben das Hörbuch tatsächlich nur deswegen fertig gehört, weil wir wissen wollten, ob die Person im Krankenhaus wirklich die vermeintlich tote Tochter von Samuel Holler ist. Der Sprecher, Ramon Klein, hat es – in diesem Hörbuch!! – nicht geschafft, den unterschiedlichen Personen abweichende Stimmfarben zu geben, alle haben die gleiche weinerliche Stimme verpasst bekommen. Seine eigene Stimme, also wenn er mit Normalstimme den Part von Samuel Holler spricht, ist eigentlich ganz nett anzuhören und von daher hätten wir es begrüßt, wenn er einfach alle Personen mit seiner eigenen Stimme gesprochen hätte. Dass das geht und der Spaß am Hörbuch trotzdem nicht verloren geht, zeigen andere SprecherInnen. Der Part des Kindes bzw. der Kinder ist zunehmend enervierend. Da die Kinderstimme(n) einen Großteil der Geschichte ausmachen, wurden irgendwann meine Augen ganz „schwimmig“ (Insider), wenn ich diesem Part zuhören musste. Das Handlungsgerüst, der Plot der Geschichte, ist eigentlich interessant – und nur das war es, was uns bis zum Schluss an der Geschichte gehalten hat (und die erfreuliche Tatsache, dass das Hörbuch nur knapp 6 Stunden dauert). Das Ende hielt dann tatsächlich noch eine Überraschung bereit, aber das hat leider nicht ausgereicht um noch etwas zu reißen. Fazit: Kann man hören, muss man aber nicht. In der Gesamtwertung bekommt das Buch von uns 2,5 Sterne. Sehr schade!

Mädchenschrei: Psychothriller
Mädchenschrei: Psychothrillervon Emely Dark
8. Mai
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Bewertung:5

Emely Dark hat bis hierhin absolut großartige Werke abgeliefert und natürlich konnte ich mir ihr neuestes Schätzchen nicht entgehen lassen. Und endlich mal wieder eine richtig geniale Story. Psychothrill vom feinsten. Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich fesselnd und bildhaft.  Ich mochte die düstere, tragende und beklemmende Atmosphäre unglaublich gern. Es wurde geprägt von einer unglaublichen Stille, die schier nicht zum aushalten war. Wispernd nähern sich dir die Schatten, nur damit dich der Wahnsinn vollends verschlingen kann. Samuel steht hierbei im Fokus und ich mochte ihn so unfassbar gern. Seine Trauer, seine Dämonen, seine Verzweiflung, die immer drängender und tiefer wurde. Gott, ich hab so tief mit ihm gefühlt und gelitten. Es hat mich fast um den Verstand gebracht.  Wir erfahren dabei auch seine Perspektive, aber nicht nur. Es kommen noch weitere zum Einsatz. Zudem ist das Buch in drei Teile gegliedert, was auch seinen Grund hat. Auch die Nebencharaktere haben mir unglaublich gut gefallen, allen voran sein Schwiegervater, den ich wirklich gern mochte. Daneben haben wir es hier mit einigen gebrochenen Charakteren zutun, die verdammt viel mit sich herumtragen.  Ich muss zugeben, ich hab den Klappentext nicht gelesen, aber das war auch nicht notwendig.  Ich bin sofort sehr gut in die Story hineingekommen. Emotional hat sie mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen.  Hierbei werden Themen wie Traumata, Trauer und Verlust behandelt. Darüber hinaus werden hier weitere Themen eingewoben, die wirklich sehr heftig sind und extrem an die Substanz gehen. In dieser Story geht es um Samuel, der seine Tochter verloren hat. Noch 5 Jahre später leider er unter dem Verlust. Doch plötzlich scheint sie wieder da zu sein. Sie ist seiner Mia wie aus dem Gesicht geschnitten.  Doch wie kann das sein? Seine Mia ist gestorben oder etwa doch nicht? Puh, ich muss ganz ehrlich sagen, was die Autorin hier ausgearbeitet hat, ist einfach unfassbar großartig. Ein psychologisches Drama Deluxe. Diese Story ist so unfassbar tragisch und verstörend.  Auf der einen Seite sehr sanft und melodisch. Aber auf der anderen Seite auch sehr berechnend und perfide. Geprägt von Paranoia, Wahnsinn und Kalkül.  In keiner einzelnen Sekunde habe ich hier auch nur irgendetwas durchschaut. Ich war mir nur sicher, Samuel ist nicht für die Grausamkeiten verantwortlich, die sich hier herauskristallisieren. Menschlich gesehen, ist es verdammt schwer zu kompensieren. Weil hier so viel Unschuld ist, die ohne mit der Wimper zu zucken niedergetrampelt und zerstört wird. Seelen, die förmlich auseinander splittern und nichts, was man dagegen tun kann. Samuel gerät immer wieder in die Schusslinie, weil er sich längst in seiner eigenen Hölle befindet und sich nicht daraus lösen kann. Das schlimmste daran, er weiß nicht mal, ob er sich selbst noch trauen kann. Denn irgendwann hat er sich in seiner Trauer und seinem Schmerz selbst verloren. So viele Hinweise, so viele Abgründe und trotzdem lief ich immer neben der Spur. Psychologisch gesehen, einfach großartig ausgearbeitet. Denn es wird verdammt tief gegraben und perfekt manipuliert.  Die Auflösung hat mich wirklich zerstört, denn damit hab ich niemals gerechnet.  Das war verdammt harter Tobak. Das erschüttert nicht nur extrem. Es macht so sprachlos, ist so niederschmetternd und schockierend.  Ganz, ganz großes Kino liebe Frau Dark. Fazit: Endlich liefert Emely Dark mit "Mädchenschrei" Nachschub. Und ich bin so unfassbar begeistert.  Auch wenn es eine extrem verstörende und grausame Geschichte ist, die extrem an die Substanz geht. Sie ist sehr emotional, abgründig und perfide. Psychothrill vom feinsten.  Unbedingt lesen.

Mädchenschrei: Psychothriller
Mädchenschrei: Psychothrillervon Emely Dark