Grundsätzlich war "Wenn Wellen brechen" eine nette Lektüre. Enisa Carter besitzt einen recht angenehmen Schreibstil, auch wenn ihr angestrebter Ton sehr ruhig und unspektakulär ist, was nicht zu allen Aspekten der Geschichte gepasst hat. Ein großer Kritikpunkt bildet der wiederholte Griff in die Klischee-Kiste. Grundsätzlich ist es nicht schlecht, sich an diesen zu bedienen, allerdings sollte in Maßen und bedacht damit umgegangen werden, um nicht den totalen Mainstream-Vibe zu suggerieren. Seien es die Charaktere und ihre Background-Storys, die sich entwickelnde Liebesgeschichte und die Eskalation/Lösung, die aus so vielen Bereichen der Unterhaltung verschiedener Medien bereits abgearbeitet wurde. Um bei dem Ende zu bleiben, muss ich zugeben, dass dieser Ausgang einen gewissen Nerv bei mir getroffen hat. Ohne zu spoilern kann ich die getroffenen Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen, es wirkte zu verharmlost und geschönt, dass die zuvor aufgeworfen, wirklich wichtigen Themen weniger gravierend gewirkt haben. Die vorgesetzte Trigger-Warnung ist bei dieser Geschichte wichtig. Mobbing, Verlust und Traumata sind Themen, die sehr empfindlich sind. Aus meiner eigenen Kindheit habe ich gewisse Erfahrungen gemacht, die mir während dieser Lektüre erneut in Erinnerung gerufen wurden, weshalb Annie und ihre Gedankengänge teilweise etwas befremdlich auf mich gewirkt haben. Zu konstruiert. Zu reflektiert und dennoch einseitig. Das Nachwort der Autorin hat noch einmal die Wichtigkeit dieser brisanten Thematiken aufgefasst und mir vor Augen geführt, wie verbreitet und geteilt derartige Erfahrungen besonders in der Kindheit sind und auf welchen Ebenen sie noch im späteren Leben Einfluss ausüben. Doch auch bei diesem Aspekt stören die Klischees, die dem Ganzen einen unrealistischen, nicht sonderlich greifbaren Touch verliehen haben.
1. März1. März 2026
Wenn Wellen brechen: Liebesroman für Jugendliche (Du bist nicht allein Reihe <3)von Enisa Carter


