Grausam informativ
Die kleine Hu‘o‘ng wächst bei ihrer Oma auf, da ihre Eltern beide an der Front sind – genauso wie andere Familienangehörige. Wo genau sie sind, weiß niemand… Die Jahre vergehen, der Krieg ist vorbei. Viele Menschen kehren nach Hause zurück, andere nicht. Aber auch Großmama Diệu Lan hat ihre eigene Geschichte, die voll mit Leid und Entbehrlichkeiten ist. Vietnam hat mich aus irgendeinem Grund schon immer interessiert, obwohl ich gar nicht so viel über das Land weiß. Das hat sich nun mit »Der Gesang der Berge« von Nguyễn Phan Quế Mai geändert. Anhand einer Familie wird die vietnamesische Geschichte der letzten 100 Jahre in den Blick genommen. Eine besondere Rolle spielt hier der Vietnamkrieg, der die Personen im Buch ganz unterschiedlich prägt und vor allem traumatisiert. Und auch wenn einige auf dem ersten Blick vielleicht noch mit einem blauen Auge davon gekommen sind, sind doch eigentlich alle Personen auf ihre eigene Art gebrochen. Der Roman zeigt auch deutlich, wie sich dieses transgenerationale Trauma von Generation zu Generation weitervererbt. Ebenso wie sich die ständig verändernde soziale Mobilität auf die Familie auswirkt. Denn noch bevor Hu‘o‘ng alt genug ist, um alles zu verstehen, wird ihr Leben von den Erfahrungen und Erlebnissen ihrer Vorfahren geprägt. Diese wiederum haben einen besonderen Stellenwert in der vietnamesischen Kultur und kommen dementsprechend oft in der Geschichte vor. »Der Gesang der Berge« hat mich bis zur letzten Seite gepackt. Nie war mir langweilig. Durch seinen einfachen, aber dennoch bildhaften Schreibstil hat mir der Roman Vietnam und dessen Geschichte näher gebracht. Eine Sache gab es allerdings dennoch, die mich gestört hat: Die Dialoge und Gedanken der Kinder wirkten manchmal etwas unnatürlich auf mich. Oft klangen sie viel jünger und naiver, als sie eigentlich waren. So war ich einige Male erstaunt, dass Hu‘o‘ng 15 ist, da sie sich für mich in der Szene viel jünger angefühlt hat. Das soll aber keinesfalls die Tatsache schmälern, dass dieses Buch für mich ein absolutes Highlight war.

















































