Mensch lernt nie aus
Jetzt hab ich mich doch schon mit den ein oder anderen Büchern befasst, die Rassismus und Chancenungleichheit thematisieren und trotzdem lerne ich immer noch mehr dazu! Dieses Buch ist wirklich bereichernd und der Schreibstil von Mohamed Amjahid ist einfach genial, witzig, lehrreich und das Buch voll mit Fakten. Es war mir extrem unangenehm, als er von der Katjes-Werbung und den darauffolgenden Reaktionen erzählt hat - dass weiße Veganer:innen der Überzeugung waren, dass sie ebenso unterdrückt werden wie POC oder muslimisch gelesene Menschen. Na klaro, eine selbst gewählte Lebenseinstellung wird natürlich seit Jahrhunderten systematisch und strukturell unterdrückt. Man kennt es ja, als weiße Person mit dem deutschesten Nachnamen Müller, Meier, Schmidt bekommt man keine Jobs und Wohnungen und wird von den Cops erschossen, wenn man verlauten lässt, dass man -ganz freiwillig nebenbei- Veganer:in ist. Ich bin selbst vegan und ja, es ist nervig und man muss sich ständig mit dummen Leuten rumschlagen, die nur Müll fressen und einem was Löwen und Proteinen erzählen wollen. Aber kleiner Reminder: es gibt keinen Rassismus gegen Veganer:innen. Dass man sowas überhaupt schreiben muss. Ich frage mich wirklich, wieso manche Menschen unbedingt einer Minderheit angehören wollen. Um sich weniger schuldig zu fühlen gegenüber Menschen mit Behinderungen, POC und anderen marginalisierten Gruppen, weil man sie so oft nicht mitdenkt aber sich das nicht eingestehen möchte? Wirklich schockiert hat mich "Refugee P*rn". Die Vorstellungen, dass vor allem weiße Menschen, überwiegend Männer, häufig rassistische Aussagen treffen, ihre Fremdenfeindlichkeit verbalisieren und dann vorm Laptop hocken und sich daran aufgeilen, wenn sie in P*rnos Frauen mit Hijab sehen, die dann in diesen Videos sexualisierte Gewalt erfahren, egal ob echt oder gespielt, widert mich zutiefst an. Alles, was auf (patriarchalen) Machtstrukturen basiert widert mich an. Ich habe vor dem Buch nie davon gehört. Mohamed Amjahid spricht über viele weitere Themen, Identitätspolitik z.B. aber gibt auch Lifestyletipps für Süßkartoffeln. Ich nenne mich selbst schon lange weiße Kartoffel und kann nicht ändern, dass ich eine bin. Was m.M.n. auch ignorant wäre, das zu wollen gegenüber POC und rassifizierten Personen. Aber alle Kartoffeln sollten versuchen, Süßkartoffeln zu werden, angefangen vielleicht mit den im Buch genannten Tipps. Auch auf Grund einer sehr wahren Aussage aus dem Buch ziemlich zum Schluss: Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, denn keine emanzipatorische Errungenschaft ist sicher.

















