Ich gebe zu, als ich das Cover gesehen habe, musste ich sofort an eines der früheren Bücher von Jennifer Wellen denken: Sternschnuppenwünsche. Da lag die Vermutung nahe, dass es vielleicht eine Fortsetzung sein würde, aber nein, dem ist nicht so. Allerdings – und ich denke, das darf ich schon verraten – ist eine nette Anspielung auf “Sternschnuppenwünsche” in der Geschichte versteckt :). Treue Leser von Jennis Büchern dürfen sich freuen! Wer Jennifer Wellens Bücher allerdings noch nicht kennt, dem verrate ich gerne, was auf ihn zukommt, nämlich eine lustig leichte Liebes- und Lebensgeschichte, also genau das Richtige für Urlaubstage, die man am liebsten mit Faulenzen, Nichtstun und ein bisschen Tagträumen verbringt. Protagonistin dieser Geschichte ist Mila, die nach dem Ende ihrer Profi-Karriere ihren Traum vom Eislaufen bei einer Tournee fortsetzen möchte und dafür sehr vieles in ihrem Leben zurückgestellt hat. Wie viel das ist, erfährt man gleich zu Beginn, als klar wird, dass sie sich schon früh in ihrem Leben von ihrer Familie entfremdet hat. Dementsprechend frostig fällt die Begrüßung zuhause aus, vor allem der Vater lässt Mila deutlich spüren, was er von ihrer Entscheidung hält, dem Eis immer wieder den Vorzug zu geben. Auch ihre neue Bekanntschaft Finn ist von ihrer Passion fürs Eislaufen wenig begeistert und zieht sie gnadenlos damit auf, was im Verlauf der Geschichte immer wieder zu sehr netten und lustigen Wortgefechten führt. Trotzdem merkt Mila bald, dass er ihr nicht gleichgültig ist – und es fällt ihr zunehmend schwerer, sich für ihr altes Leben – und damit ihre Karriere auf dem Eis – zu entscheiden. Sehr gut gefallen haben mir auch die kleinen Informationshäppchen, die die Autorin dem Leser zu Beginn jeden Kapitels serviert. Ich weiß ehrlich gestanden nicht besonders viel übers Eislaufen, aber ich fand es beispielsweise durchaus spannend zu erfahren, wer denn nun eigentlich dafür verantwortlich ist, dass Eislaufschuhe heute Zacken an den Spitzen haben (was nicht immer so war!). Einen kleinen Kritikpunkt sehe ich dieses Mal allerdings bei der verwendeten Sprache. Und damit meine ich nicht unbedingt den Dialekt aus dem Ruhrpott, sondern die flapsigen Ausdrücke, die die Autorin Mila in den Mund legt. “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke” gehört für mich jetzt persönlich nicht unbedingt zu einem Vokabular, dass ich mit einer ehemaligen Olympia-Eiskunstläuferin verbinden würde. Aber davon abgesehen mochte ich Milas Charakter. Ihr Ehrgeiz und ihr Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen, machen sie trotz ihrer anfänglich sehr ich-bezogenen Art zu einem doch sympathischen Menschen, mit dem man mitleben und -lieben kann. Das Ende birgt dann tatsächlich noch einmal eine kleine Überraschung, die dem Ganzen noch zusätzlichen Charme verleiht. Aber lest einfach selbst!
26. Okt.26. Okt. 2022
Traumtänzerküsse: Romanvon Jennifer Wellendotbooks Verlag
