Mehr Antworten, neue Rätsel. Würdiger Abschluss einer Trilogie
Achtung - könnte Spoiler enthalten. Mit Exit findet die Silo-Trilogie einen würdigen Abschluss – auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden. Tatsächlich hatte ich am Ende fast das Gefühl, dass einige Rätsel gelöst wurden, während gleichzeitig neue entstanden sind. Besonders gelungen fand ich, dass die Handlung deutlich geradliniger erzählt wird als in Level. Die Perspektivwechsel waren hier wesentlich leichter nachzuvollziehen, wodurch für mich deutlich mehr Spannung entstehen konnte. Das Buch war kaum vorhersehbar und hat mich bis zum Schluss bei der Stange gehalten. Juliette bleibt eine starke Hauptfigur mit viel Potenzial, das größtenteils auch genutzt wird. Ihr Handlungsbogen hat mir gefallen, auch wenn ihre Rolle am Ende eine tragische Note bekommt. Aber ganz ehrlich: Es ist eine Dystopie. Ein völlig sorgenfreies Happy End hätte mich gewundert. Auch Donald spielt wieder eine zentrale Rolle. Allerdings hatte ich mehrfach das Gefühl, dass sein Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Sein Handlungsstrang wirkt auf mich am Ende noch nicht ganz auserzählt. Ähnlich ging es mir mit Solo. Er gehört weiterhin zu meinen Lieblingsfiguren der Reihe, bleibt für mich aber ein faszinierendes Mysterium. Manche seiner Kapitel waren mir fast zu kurz, und gelegentlich wurde er etwas einfältiger dargestellt, als er tatsächlich ist. Was mich am meisten beschäftigt hat, sind die vielen offenen Fragen. Einige davon wirken sogar größer als die Antworten, die das Buch liefert. Warum bemerkt Juliettes Vater plötzlich Merkwürdigkeiten an Leichen und Narben, ohne dass dieser Handlungsstrang weiterverfolgt wird? Was passiert mit den anderen Silos? Erfahren deren Bewohner jemals die Wahrheit? Was hat es letztlich mit dem Argon auf sich? Und bin ich wirklich die Einzige, die sich fragt, ob Lukas tatsächlich tot ist? Gerade diese offenen Enden sorgen dafür, dass mich die Geschichte auch nach dem Lesen noch beschäftigt. Gleichzeitig haben sie mich aber stellenweise frustriert, weil ich auf einige dieser Fragen konkrete Antworten erwartet hatte. Weniger überzeugt hat mich die Kult-Sekte in Silo 17. Die rituellen Operationen und die „Hochzeit“ mit Elise wirkten auf mich eher konstruiert und trugen für mein Empfinden wenig zur eigentlichen Handlung bei. Trotz dieser Kritikpunkte funktioniert Exit für mich als Abschluss der Trilogie. Nicht jede Figur erhält die Tiefe, die ich mir gewünscht hätte, und nicht jedes Rätsel wird aufgelöst. Dennoch gelingt Hugh Howey ein spannendes Finale, das die großen Themen der Reihe zu einem stimmigen Ende führt. Für mich bleibt Silo der stärkste Band der Trilogie. Trotzdem hat sich die Reise bis zum Ende gelohnt, und Exit rundet die Geschichte insgesamt gut ab – auch wenn ich das Buch mit mehr Fragen geschlossen habe, als ich erwartet hätte.




























