
Nicht ganz schlecht, aber auch nicht ganz gut 👀🔪🇬🇧
Samson ist ein Einzelgänger. Er beobachtet fremde Menschen, denkt sich Geschichten über ihr Leben aus und verliert sich immer stärker in einer Welt, die mehr mit seinen Vorstellungen als mit der Realität zu tun hat. Besonders fasziniert ist er von Gillian Ward, die für ihn das perfekte Leben führt: erfolgreich, verheiratet, Mutter einer Tochter. Doch je genauer er hinsieht, desto deutlicher wird, dass hinter dieser Fassade einiges bröckelt. Gleichzeitig versetzt eine Mordserie an alleinstehenden Frauen London in Angst. Die Polizei sucht einen Täter, der seine Opfer mit auffälliger Grausamkeit auswählt. Während die Ermittlungen voranschreiten, scheinen sich die verschiedenen Handlungsstränge immer stärker miteinander zu verweben. Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr erwartet. Nach den vielen positiven Stimmen und Bestsellerplatzierungen war ich davon ausgegangen, dass mich das Buch deutlich stärker packen würde. Dabei beginnt die Geschichte durchaus vielversprechend. Die Idee eines Mannes, der sich als Beobachter in fremde Leben hineinträumt, hat etwas Unheimliches. Dazu die Mordserie und die Frage, welche Rolle Samson in diesem Geflecht tatsächlich spielt. Eigentlich waren alle Zutaten da, um daraus einen richtig starken Thriller zu machen. Schade nur, dass die Geschichte daraus am Ende erstaunlich wenig Spannung entwickelt. Relativ früh hatte ich das Gefühl, dass bestimmte Verdächtige eigentlich ausscheiden und die Geschichte dadurch einen Teil ihres Rätselcharakters verliert. Auch die Auflösung kommt für meinen Geschmack zu früh in Sichtweite. Statt mitzurätseln, wartet man irgendwann eher darauf, dass die Handlung dort ankommt, wo man sie ohnehin schon vermutet. Das letzte Viertel konnte daraus dann auch nicht mehr viel Spannung ziehen. Hinzu kommt, dass viele Figuren erstaunlich austauschbar wirken. Der gescheiterte Außenseiter, die unglückliche Ehefrau, der undurchsichtige Frauenheld. Das ist alles nicht schlecht geschrieben, wirkt aber oft eher wie bekanntes „Personal“ aus anderen Thrillern als wie Menschen, die wirklich ein Eigenleben entwickeln. Dadurch blieb bei mir auch die emotionale Bindung an die Figuren eher gering. Was mich allerdings fast mehr beschäftigt hat als der eigentliche Kriminalfall, war das England-Setting. Charlotte Link verlegt ihre Geschichten gerne auf die Insel, aber hier wirkte das auf mich besonders künstlich. Wirkliches englisches Lebensgefühl kam kaum auf. Stattdessen hatte ich häufig den Eindruck, dass deutscher Alltag einfach englische Ortsnamen bekommen hat. Für die Handlung selbst spielt das natürlich keine große Rolle. Aber wenn man eine Geschichte so deutlich in England verortet, erwarte ich zumindest ein wenig Authentizität und Lokalkolorit. Hier hätte die Handlung genauso gut in Frankfurt, Hannover oder Offenbach spielen können, ohne dass sich inhaltlich etwas geändert hätte. Schlecht ist „Der Beobachter“ deshalb keineswegs. Das Buch liest sich flüssig, die Seiten gehen schnell vorbei und man möchte durchaus wissen, wie alles endet. Nur erfüllt sich die Erwartung an einen besonders spannenden Thriller für mich nicht. Kann man lesen, muss man aber nicht. ⭐️⭐️⭐️























































