12. Juli
Bewertung:2

gute Grundidee, mittelprächtige Umsetzung

"Endzeit - Die Todesinsel" und die Fortsetzung "Endzeit - Tod in der Finsternis" von Livia Pipes ist im Gesamten eine Geschichte, die mich in gewisser Hinsicht unterhalten und zugleich leider aber auch enttäuscht hat. Aber kommen wir doch zuallererst mal zum Inhalt: Im Jahr 2035. Aufgrund einer finanziellen Krise erwägt Fitnesstrainer Jay Carter die Teilnahme an der gefährlichsten Survival-Live-Show der Welt. Beim Casting in New York begegnet er der attraktiven Zoe. Gemeinsam erfahren sie was sie erwartet: Es geht um das Überleben auf einer isolierten, karibischen Insel. Eine tückische Tierwelt, die giftige Flora, knappe Nahrung und unberechenbare Wetterwechsel würden für ein halbes Jahr zu ihrem gnadenlosen Alltag werden. Challenges sollen ihnen angeblich die Chance auf bessere Bedingungen bieten. Es gibt jedoch keine ärztliche Versorgung und keinen Rettungsschirm in der Not. Der Ausstieg ist lediglich einem einzigen Teilnehmer in den ersten vierzehn Tagen gestattet. Diejenigen, die bleiben, sind der Härte des Dschungels und ihren inneren Dämonen ausgeliefert. Unwissend, dass sie lediglich Spielfiguren in einem niederträchtigen Plan sind, unterschreiben die sechs auserwählten Gewinner den Vertrag. Als sich die Ereignisse überschlagen, wird ihnen klar: Sie sind gefangen in einem brutalen Spiel, in dem das Überleben zum ultimativen Preis wird. Dieser sogenannte Dystopie- bzw. Survival-Thriller besteht aus mehreren Teilen, was mich zugegebenermaßen ziemlich gestört hat. Zumindest irgendein entsprechender Hinweis wäre wünschenswert gewesen, um die Erwartungshaltung des Lesers entsprechend anzupassen. Unabhängig davon lässt sich der erste Teil (ich betone der erste Teil!) ziemlich gut und flüssig lesen. Der Erzählstil erinnert zwar stark an ein Jugendbuch, ich habe das jedoch nicht als Nachteil empfunden, im Gegenteil. Der Anfang zieht einen dann auch recht schnell in die Geschichte hinein und baut erfreulicherweise eine Atmosphäre auf, die an "Die Tribute von Panem" erinnert. Leider kann der zweite Teil dieses Niveau jedoch nicht mehr halten, warum auch immer. Hier stockt der Lesefluss dann deutlich, die Handlung wirkt plötzlich oberflächlich und beinhaltet auch viel weniger Spannung als der Reihenauftakt selbst. Es scheint fast so, als wären die Bücher von zwei verschiedenen Personen geschrieben worden, so sehr unterscheiden sie sich meiner Meinung nach vom Stil her. Zu Beginn bekam ich noch eine spannende Geschichte mit vielerlei Survival-Elementen, doch im Verlauf der Handlung verlagerte sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung Sozialdrama. Die anfängliche Spannung verläuft sich somit im Sande und die Geschichte verliert spürbar an Fahrt. Ein weiteres Manko sind die auffälligen Fehler im Text, die den Lesegenuss noch zusätzlich trüben. Der erste Teil endet zudem mit einem Cliffhanger und auch der zweite Teil lässt einen unbefriedigt zurück. Neben diesen inhaltlichen Schwächen sind auch einige Logikfehler vorhanden, die mein Gesamtbild immer weiter getrübt haben. Der Auftakt des Buches hat mir somit wirklich gut gefallen und hatte großes Potenzial, doch die Fortsetzung enttäuscht mich so sehr, dass ich kein Interesse mehr daran habe, einen weiteren Teil zu kaufen. Zusammengefasst: "Endzeit" hat eine wirklich gute Grundidee, leidet aber an einer mittelprächtigen bis kargen Umsetzung. Schade!

Endzeit – Tod in der Finsternis: Survival-Thriller (Endzeit-Visionen, Band 2)
Endzeit – Tod in der Finsternis: Survival-Thriller (Endzeit-Visionen, Band 2)von Livia PipesIndependently published