Ich weiß nicht, wie Jürgen Bauer es schaff, aber jedes seiner Bücher ziehen mich sofort in denn Bann, und das vom ersten Satz an. Daher lese ich deine Romane seit einigen Jahren ohne auf den Inhalt zu schauen, denn es kann nur etwas Gutes dabei herum kommen und man lernt eigentlich immer etwas dabei. Sein neuer Roman "Styx" spielt im Milieu der Oper und hat als Hauptakteurin jemanden, die als Souffleuse arbeitet, also eine Person, die den Menschen auf der Bühne ihre Texte sozusagen vorspricht. Ein Job, von dem ich so gar nichts wusste, dass es diesen gibt. Die Grundvoraussetzungen in diesem Roman, der noch während der Pandemie spielt, sind so, dass die Frau einfach während einem Stück, das gerade für das Internet als Stream läuft und aufgezeichnet wird, ihren Job einfach einstellt und der gerade singenden Akteurin nichts mehr vorspricht und die dann prompt verwirrt ob dieser Arbeitsverweigerung ihren Text vergisst und die Stelle verpatzt. Die Souffleuse, die während dem ganzen Roman keinen Namen bekommt und von ihrer Chefin nur als Madame Partitur gerufen wird, kann sich diese Verweigerung erst selbst nicht erklären. Doch so nach und nach kommen längst vergessene Punkte ihrer eigenen Vergangenheit und die mit ihrem Mann, der ebenfalls an demselben Opernhaus tätig war. Und diese Vergangenheit stellt sie vor viele Herausforderungen, die sie bewältigen muss, um einen Schritt in die Zukunft machen zu können. Dieses Buch hat mich verzaubert. Obwohl ich mit dem Thema Oper und allem, was damit zusammenhängt, überhaupt nichts am Hut habe, war ich von der ersten Zeile in diesem Roman drin. Mir war die Hauptfigur sofort präsent, auch wenn ich sie nicht immer sympathisch fand. Auch all die anderen Figuren, die in diesem Buch wichtig werden, hat der Autor mit wenigen Worten so gut beschrieben, dass man ihrem Weg in der Geschichte gerne gefolgt ist. Die Geschichte mag sich zwar oftmals um die Oper drehen, doch vor allem die privaten Themen von Madame Partitur und wie sie ihre aktuelles Leben immer noch beeinflussen und lenken, haben mich fasziniert zurück gelassen, ob der Tatsache, wie gegenwärtige Handlungen durch die Vergangenheit sehr stark beeinflusst werden können. Dazu ist es noch wunderbar aufgeschrieben. Es ist wieder so ein Buch, dass ich ohne mit der Wimpern zu zucken auf meine aktuell liebsten Bücher setze, die ich 2025 gelesen habe, und jedem ans Herz legen möchte, es zu lesen. Und zu Jürgen Bauer kann ich von einer Seite aus nur Absagen: Lest seine Bücher. Jedes einzelne davon ist es Wert gelesen zu werden (lese aktuell eines seiner ersten Bücher und auch das ist auf seine Art sehr faszinierend geschrieben).
26. Juli26. Juli 2025
Styxvon Jürgen BauerSeptime Verlag
