Atmosphärischer Mystery-Krimi mit starkem Setting, spannender Handlung und überraschendem Ende – aber einem etwas sperrigen Stil. Der Einstieg von „Dies irae – Tag des Zorns“ hat mich schon gleich gefesselt. Die ersten Kapitel erzeugen schnell Spannung und Neugier, besonders durch das Verschwinden von Madeleine und die düstere Stimmung rund um den Fluss und das Baumhaus. Adrian Schmelzenbart schafft es, eine sehr intensive Atmosphäre aufzubauen. Mit dem Schreibstil hatte ich allerdings so bisschen meine Schwierigkeiten. Die Sprache ist sehr bildhaft und teilweise ausschweifend, was den Lesefluss für mich etwas unflüssig machte. Natur- und Stimmungsbeschreibungen sind super getroffen und gut vorstellbar. Die Umgebung wird richtig greifbar, ebenso die mürrischen, verschlossenen Eigenarten der Einheimischen. Dolly war für mich keine klassische sympathische Hauptfigur. Ihre Trauer um Madeleine ist absolut glaubwürdig und emotional stark dargestellt, aber sie wirkt oft sehr forsch und von ihrem Zorn getrieben. Trotzdem habe ich mit ihr mit gefiebert, weil sie mutig ist, und sich auch nicht durch einige seltsame Erlebnisse stoppen lässt. Manchmal bisschen über reagiert, aber immerhin untersucht sie einen eventuellen Mord Besonders interessant fand ich Hermine Schweiger – eine Figur, die lange im Hintergrund bleibt, aber eine intensive und tragische Geschichte mitbringt. Auch ein geheimnisvolle Mann hat die Handlung bereichert. Gerade weil nie klar ist, welche Rolle er wirklich spielt, sorgt er für zusätzliche Spannung und ein ständiges Gefühl von Unsicherheit. Ist er verwickelt, oder nur ein Beobachter? Vom Mystery-Aspekt hatte ich mir etwas mehr erhofft. Die übernatürlichen Elemente werden eher angedeutet als wirklich vertieft. Sie funktionieren mehr als atmosphärischer Impuls für die Handlung und Dollys Ermittlungen, weniger als tief ausgearbeitete Mystery-Ebene. Die eigentliche Ermittlungsarbeit fand ich dafür überraschend glaubwürdig, und ich habe bis zum Schluss mitgerätselt. Der Twist und die Auflösung waren gelungen: Ich hatte zwar das Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“, wurde am Ende aber dennoch überrascht. Das Finale ist traurig, aber nachvollziehbar und emotional nachvollziehbar. Fazit Ein stimmungsvoller Mystery-Krimi mit starkem Setting, spannender Handlung und gelungenem Ende. Der poetisch-ausschweifende Stil und die etwas zu wenig ausgearbeitete Mystery-Komponente verhindern für mich die Höchstwertung, aber insgesamt ist es ein fesselndes und ungewöhnliches Buch.
11. Juni2 Tage vor
Dies iraevon Adrian SchmelzenbartVerlag Federfrei
