Zwischen Meer und Menschlichkeit
Ich habe Band 1 und 2 von Rán geliebt, ohne Wenn und Aber. Gertas Schreibstil ist für mich pure Magie, bildgewaltig, gefühlvoll und voller Tiefe. Umso größer war meine Vorfreude auf Rán: Wahrheiten, den finalen Band der Trilogie. Der Einstieg war vertraut und sofort wieder wunderschön zu lesen: Die Sprache bleibt poetisch, die Atmosphäre des Meeres ist spürbar und die Themen rund um Macht, Liebe, Loyalität und Identität ziehen sich konsequent durch die Geschichte. Aber je weiter ich kam, desto mehr Fragen blieben offen. William, von dem ich gehofft hatte, er würde endlich lernen, Rán auf Augenhöhe zu begegnen, handelt weiterhin über ihren Kopf hinweg. Die Beziehung, die einst auf Liebe und Verbundenheit beruhte, verliert für mich an Gleichgewicht. Angelique bekommt zwar ihre Strafe, doch nach allem, was sie getan hat, fühlte es sich für mich zu glimpflich an. Und George? Der bleibt eine absolute Green Flag , loyal, ehrlich, tiefgründig und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass er sein Glück findet. Was mich besonders beschäftigt: Die Idee mit dem Schloss am Meer, die einst wie ein Hoffnungsschimmer wirkte, bleibt unerfüllt. Warum wurde sie nicht einmal versucht? So mussten am Ende alle leiden, vielleicht unnötig. Trotz all dieser Kritikpunkte: Rán: Wahrheiten ist ein gut erzählter, emotionaler Abschluss einer mutigen Reihe, die sich von klassischen Meerjungfrauenklischees abhebt. Nur leider hat mich das Ende dieses Mal nicht ins Herz getroffen, vielleicht, weil Ráns Geschichte für mich noch nicht zu Ende ist.






