
Ein Coming-of-Age-Roman im phantastischen Hamburg
Ich habe „Sonnenerben“ von Ria Winter von Anfang bis Ende wie im Sog verschlungen und wusste: Wenn ich jetzt weiterlese, sollte ich Zeit einplanen. Die Geschichte fängt mit Jonnas Charaktervorstellung anhand einer fixen Idee an und ist interessant und lebendig geschrieben. Als Leser*in ist man sofort dabei und kann sich in die Charaktere und Beziehungen der Charaktere untereinander hineinversetzen. Die Charaktere sind toll dargestellt: Die chaotische, impulsive Jonna, die erst handelt, dann nachdenkt, hat noch viel Teenager in sich, vereint mit dem Wunsch, sich endlich von den Eltern abzunabeln und erwachsen zu werden. Aljoscha, der mit seiner besonnenen Art überrascht und seine ganz eigenen familiären Probleme verarbeiten muss, Jonnas Nerd-Freundeskreis, der trotz interner Unstimmigkeiten immer hinter ihr steht. Dieses Buch ist ein Paradebeispiel für Freundschaft und tiefe zwischenmenschliche Beziehungen abseits von Romantik, denn Jonna ist aromantisch / asexuell, eine in Büchern so gut wie nie dargestellte sexuelle Orientierung. Der Spannungsbogen baut sich stetig auf, es gibt überraschende Plottwists an den richtigen Stellen und mit angemessener Dramatik, sodass keine unschönen Längen entstehen. Schwere Themen wie Krankheit, Trauer und Verlust sowie der Umgang mit ihnen werden real und nicht übertrieben in die Handlung eingebaut. Das fulminante Finale lässt einen nochmal so richtig ans Buch gefesselt. Einzig über das Innere der Sonne hätte ich gerne noch mehr gewusst, aber leider soll es keinen 2. Band geben. Ich kann „Sonnenerben“ von Herzen weiterempfehlen, nicht nur an quirky junge Erwachsene. Es macht wirklich Spaß zu lesen und sticht durch seine Originalität aus der Masse heraus.
