Wunderschön geschrieben und eine tolle Reise durch Peru, die mich in einer Hinsicht aber etwas zwiegespalten zurücklässt.
Peru, Mitte 18. Jahrhundert. Einst gehörte Yawars Mutter zu den Kondorkindern, die in Peru das Spiegelbuch der Geschichten hüten, die nicht vergessen werden sollen. Doch durch das Buch verlor sie Yawars Vater. Als Yawar nun zum Hüter des Spiegelbuchs ernannt werden soll, zerreißt sie das Buch aus Panik - und zieht damit den Fluch des mächtigen Berggottes Mismi auf sich. Gegenwart. Die Studentin Malinka arbeitet in einer Bibliothek in Berlin und soll einen Stapel alter Bücher sortieren. Zufällig gerät eines der Bücher an ihre alte Nemesis Matteo - der sich prompt den Fluch des Spiegelbuches einfängt. Nun müssen die beiden nach Peru, denn nur dort können sie den Fluch lösen und Malinka eine verlorene Gabe wiederfinden: das Geschichten erzählen. Was mir gut gefallen hat: - Das Buch hat mich von der ersten Seite gecatcht. - Sämtliche Figuren sind super liebevoll gestaltet. - Das peruanische Setting kommt wunderbar herüber. - Die Mischung aus dem Glauben der Quechuas, historischen Begebenheiten und mystischem Abenteuer in der Gegenwart traf voll meinen Geschmack. - Der Schreibstil ist melodisch und passt sehr gut zum Thema „Geschichten schreiben“. Was weniger meins war: - Im Mittelteil gab es ein paar kleinere Längen. - Mein Hauptzwiespalt hängt an dem Trope „White Saviour“, den ich problematisch finde. (ACHTUNG: SPOILER) Etwa in der Mitte des Buches verschiebt sich im Strang des 18. Jh.s der Fokus von Yawar zur spanisch-stämmigen Isabel, der letztlich die entscheidende Aufgabe zukommt, die verlorenen Geschichten zu sammeln. Das finde ich besonders deshalb problematisch, weil indigene Bevölkerungsgruppen auch heutzutage oft noch wenig Raum erhalten, ihre Geschichten zu erzählen. Dass es nun einer Weißen Bedarf, damit die Geschichten erhalten bleiben, empfinde ich daher als bitter. Die Autorin reflektiert die Problematik im Gegenwarts-Strang, das kann die Aussage im Vergangenheits-Strang aber meiner Ansicht nach nicht retten. Fazit: Eine echt tolle Geschichte, die mir aber ohne den White-Saviour-Trope nochmal besser gefallen hätte.





