22. Apr.

Mit Manfred Krug verbinde ich eigentlich nichts. Ich habe weder seine Filme/Serien gesehen, noch ist mir seine Geschichte bleibend im Gedächtnis geblieben. An ein paar Werbemomente aus den 1990ern kann ich mich noch erinnern (Advocard ist Anwalts Liebling und ein paar Telekom-Spots), habe diese aber nie in irgendeinem Bezug zu seinem Leben/Schaffen gesehen und die Erinnerung war eigentlich nur diffus vorhanden. Doch irgendwie reizte es mich, seine Biographie lesen zu wollen und was soll ich sagen, sie hat bei mir voll gezündet. Zum einen, weil Manfred Krug ein Mensch mit Prinzipien war. Die muss man nicht unbedingt vertreten und ich denke, es war auch nicht immer einfach mit ihm zusammen zu arbeiten oder zu leben, aber wenn man mit ihm umgehen konnte, war es bestimmt ok. Zum anderen ist dieses Tagebuch ein wahnsinnig tolles Zeitdokument. Man springt voll in die 1990er rein und damit in die medialen Umstände, die Krug damals beschäftigten und zum anderen auch in das mediale Gedächtnis von Krug und seinen Sachen, die er damals für Funk, Fernsehen und Literatur geschaffen hat. Insbesondere sein damaliges Tagebuch „Abgehauen", dessen zentraler Bestandteil ein Gesprächsmitschnitt vor seiner Ausreise aus der DDR ist, wird hier in diesem ersten Tagebuch sehr oft verhandelt. Für mich also ein absolut interessant zu lesendes Zeitzeugnis, das einen sofort zurück wirft in eine vollkommen andere Zeit not Manfred Krug und dessen damaliges Leben im Mittelpunkt. Wer mit Manfred Krug als Person gar nichts anzufangen weiß wird mit diesem und auch den anderen Tagebüchern wahrscheinlich verzweifeln, aber es bringt einem einen Menschen des medialen Interesses definitiv näher und auch die ganzen Verknüpfungen zu anderen Menschen das damals aktuellen Zeitgeschehens, die auch teilweise heute noch leben, ist definitv eine Lektüre wert.

Manfred Krug. Ich sammle mein Leben zusammen
Manfred Krug. Ich sammle mein Leben zusammenvon Manfred KrugKanon Verlag Berlin