8. März
Bewertung:4.5

Starker Mix aus unterschiedlichen Erinnerungsstücken und Erfahrungen vor, während und nach der Inhaftierung.

Die in mehreren Kurzgeschichten verarbeiteten Erfahrungen & Erinnerungen der ehemaligen Gefangenen sind erschreckend & gleichzeitig berührend. Es gibt einen "guten" Mix aus Berichten zu gewalttätigen, ungerechten Festnahmen und Verhören sowie zu rührenden kleinen Erlebnissen der Freude, des Augenzudrückens und netten Gesten. Ein Wechselbad der Gefühle samt gleichzeitigem Vertrauensverlust sowie Schöpfen von neuem Vertrauen in die Menschheit. «Die Geschichtsschreiber und Dokumentaristen zählten immer nur die Fakten, aber nie, welchen Einfluss die kranke Psyche auf die Politik eines Staates haben konnte.» S. 155 Exakt einer der Gründe, wieso mir im Geschichtsunterricht oft etwas gefehlt hat: zu starker Fokus auf die Daten. Für mich kamen die Schicksale, aber auch Einblicke in die Psyche der Verursacher viel zu kurz. Umso mehr sollten wir Berichte wie diese hier lesen, denn Gedanken und Handlungen vergangener Zeiten können schnell zu denen von morgen werden. «Nicht, was geschehen ist, sondern was geschieht, lässt mich nicht vergessen und verzeihen.» S. 124 Was in einigen Erzählungen mitschwang, und mich mit am meisten bewegt hat, war der Umstand, dass vielen Frauen nicht die Haft selbst das spätere Leben weiter zu schaffen machte, sondern das Ignorieren der Gesellschaft, das dergleichen Geschehen war. Wieder einmal wird über ihren Kopf hinweg entschieden und versucht, sie unschuldig zum Schweigen zu bringen.

Hoheneck - Frauen in politischer Haft
Hoheneck - Frauen in politischer Haftvon Ines VeithMerch Movie Edition