24. Feb.
Bewertung:5

Read around the World: Chile

Das war harter Tobak aber ein sehr guter und dadurch würdiger Abschluss für C in meiner "Read around the World"-Challenge. Ich fand den Schreibstil sehr eingängig und habe mich nicht an den Zeitsprüngen gestört. Diese sind so gekonnt ineinander geflossen, dass sich trotzdem eine fließende Einheit ergeben hat. Ich fand das sehr gute Erzählkunst. Was dem Schrecken "leider" in die Hände gespielt hat, weshalb ich länger als normalerweise gebraucht habe für ein Buch mit ~240 Seiten. Manchmal habe ich aber auch einfach nur wenige Seiten am Tag geschafft, da zu viel zu bildhaft beschrieben wurde. Außerdem habe ich mich mal wieder gebildet 🫣 und weiß jetzt, dass ich damit weitermachen sollte. Leseempfehlung, wenn ihr könnt!

Twilight Zone
Twilight Zonevon Nona FernándezCulturBooks Verlag
9. Feb.
Bewertung:5

Ich habe dieses Buch ohne Erwartungen begonnen und hatte auch nur eine ungefähre Idee, worum es ging – über die Pinochet-Diktatur in Chile, aber schon die ersten Seiten haben mich gefesselt! Allerdings musst ich das Buch bald wieder zur Seite legen, um das Gelesene erst einmal auf mich wirken zu lassen und zu verdauen … Nona Fernández hat es geschafft einen eindrücklichen Text über das Leben in einer Diktatur zu schreiben und dabei die subtilen Grenzen zwischen Gut und Böse auszuloten. Sie schreibt dabei konkret über die Diktatur in Chile, trotzdem hat der Text eine gewisse universelle Gültigkeit, denn die Mechanismen einer Diktatur sind schlussendlich überall ähnlich. Interessant ist der Aufbau bzw. die Perspektive des Romans: Die autobiografisch gefärbte Ich-Erzählerin beschäftigt sich in der Gegenwart mit den Aussagen des Mannes, der gefoltert hat – ein Mitarbeiter des Geheimdienstes der sich dazu entschlossen hat zu reden und alle begangenen Gräueltaten öffentlich zu machen. Sie nimmt die Leser:innen mit in ihre Gedankenwelt, wo sie durch eine Mischung aus Fakten und Vorgestelltem von den Schicksalen verschiedenster Menschen, die während der Diktatur „verschwunden“ sind erfahren. Doch auch dem Mann, der hinter den Entführungen, Ermordungen und Folterungen steckt, werden viele Gedanken gewidmet und man lernt ihn besser kennen. Außerdem werden die aktuelle Erinnerungskultur mit ihren „Lücken“ und das Fortbestehen von Strukturen, die für die Verfolgung von Oppositionellen verantwortlichen waren, reflektiert. An dieser Stelle soll auch die Leistung der Übersetzerin Friedericke von Criegern hervorgehoben werden, die es geschafft hat, den besonderen Stil des Textes ganz großartig ins Deutsche zu übertragen. Die Sprache ist einfach, direkt und präzise, durch ihre repetitive Art aber auch poetisch und sehr eindrücklich. Ein großartiges Buch, das mich noch lange beschäftigen wird und eine absolute Leseempfehlung, auch wenn es wirklich schwerfällt, damit konfrontiert zu werden, was sich Menschen im Namen von Politik und Ideologie gegenseitig antun können.

Twilight Zone
Twilight Zonevon Nona FernándezCulturBooks Verlag