Köln 1626. Die junge Christina Plum leidet an Fallsucht (Epilepsie), weshalb man sie für eine Hexe hält. Auf der Flucht vor einem Mob wird sie vom Generalvikar Bernard Fresenius gerettet und ins Kloster St. Klara gebracht. Doch was Christina in diesem Kloster erlebt, ist unglaublich: Teufelsaustreibungen, wolllüstige Nonnen, Kindesmord und seltsame Rituale. Christina wird geschützt und gefördert, aber warum? Sie beschließt zu fliehen, doch muss bald erkennen, dass sie schon zu tief in das Geschehen verwickelt ist … Erneut strickt Bettina Szrama einen fiktiven Roman um eine historische Person und historische Ereignisse. Eine Vorgehensweise, die mir sehr gefällt und die historische Romane besonders spannend macht. Der Fall der Christina Plum hat in Köln viel Aufsehen erregt und zum Abebben der Hexenverfolgung geführt, da sie im großen Stil die Oberschicht der Stadt anklagte. Der Roman beschäftigt sich mit der Frage, was die junge Frau dazu bewegt hat, so viele einflussreiche Bürger anzuzeigen und dabei ihr eigenes Leben zu riskieren. Das Buch ist sehr komplex, besonders hinsichtlich der Personenkonstellation. Es werden viele Fragen aufgeworfen und der Spannungsbogen wird konsequent bis zum Ende des Buches aufrechterhalten. Der Roman ist alles andere als ein Historienkrimi nach gängigem Strickmuster, es geht nicht um ein bestimmtes Verbrechen, das von einem genialen Ermittler aufgeklärt wird. Vielmehr wird klar, dass im Kloster schon seit einiger Zeit schlimme Verbrechen begangen werden, und im Verlauf des Romans geschehen weitere. Es kommt zu falschen Anklagen und Hinrichtungen – die Ungerechtigkeit grassiert. Die für mich spannendste Frage ist, wo steht Christina in diesem Ränkespiel, und was wird sie mit den Informationen, die sie erlangt, anfangen? Ein hochinteressanter historischer Roman aus der Zeit der Hexenverfolgung, der zum Nachdenken anregt. Wie schon bei “Der Henker von Lemgo” habe ich nach der Lektüre des Buchs gleich mal im Internet nachgelesen, was sich so über den historischen Fall finden lässt. Was ich auch als sehr positiv empfunden habe, ist, dass das Buch alles ist, nur kein Friede-Freude-Eierkuchen-Roman, was es gleich viel realistischer erscheinen lässt als viele andere historischen Romane, bei denen am Ende immer alles gut ist. Wer nicht gerne Krimis liest, sollte sich nicht von der Bezeichnung als historischen Kriminalroman abschrecken lassen, denn das Buch ist sehr viel mehr als das. P.S. Nach reiflicher Überlegung und nachdem ich noch mehr über den historischen Fall erfahren habe, habe ich mich entschlossen, doch die Höchstwertung zu vergeben :-)
28. Sept.28. Sept. 2022
Das Mirakel von Kölnvon Bettina SzramaEmons Verlag
