Mit diesem Buch habe ich mich aus meiner Komfortzone hinausgewagt - und wurde positiv überrascht! Normalerweise meide ich Bücher mit hohem „Spice“-Anteil, da ich es nicht mag, wenn Sex im Mittelpunkt der Handlung steht. Dass es in diesem Buch viel um Sex geht, macht schon der Klappentext deutlich (wer, wie ich, nicht weiß, was Succuba sind, sollte es vor dem lesen googeln ;)). Allerdings erschafft die Autorin eine völlig neue Form von Succuba! Diese sind in der Lage, Männer zu bezirzen. Hauptsächlich nutzen sie ihre Fähigkeiten jedoch, um in Menschen ihre schlummernden Talente zu wecken. Sie werden dann wortwörtlich von der Muse geküsst. Das fand ich eine sehr schöne Idee! Auch die Sexszenen im Buch fand ich ansprechend geschrieben. Sie waren nicht flach oder überzogen, man fühlte sich nicht unwohl, es gab queere Szenen und Consent wurde thematisiert (außer bei den Brukolàk, wobei der fehlende Consent hier auch nicht romantisiert, sondern deutlich problematisiert wird). Mit den Brukolàk als Gegenspieler zu den Succuba wurden Anleihen an griechischen Fabelwesen gemacht. Die beschriebenen Szenen sind teilweise sehr brutal (es sind nunmal Vampire) und ich könnte mir vorstellen, dass einzige Szenen besonders für Schwangere schwierig zu lesen sein könnten. Das war teilweise schon sehr Horror-lastig. Sehr spannend fand ich, dass die Brukolàk sich matriarchalisch organisieren. Das steht im Buch im scharfen Kontrast zur patriarchalen Struktur im Berlin der 1920er Jahre und zu Cassies und Ismes Wunsch nach Gleichberechtigung aller Geschlechter. Die Hauptcharaktere im Buch waren für mich gut ausgearbeitet. Ich hätte mir mehr Hintergrundwissen über die Entstehung und Vergangenheit der Succuba und Brukolàk gewünscht, allerdings hätte das vermutlich den Rahmen auf 368 Seiten gesprengt. Lediglich Henry blieb für mich etwas blass. Mich hat gewundert, dass er die Konfrontation mit den Kräften der Succuba und Brukolàk einfach so hinnimmt und sich auch sonst von nichts aus der Ruhe bringen lässt. Gut gefallen hat mir auch, dass die Geschichte in den 20er Jahren in Berlin angesiedelt ist. Die Autorin gibt einigen bekannten Persönlichkeiten dieser Zeit eine Rolle, die wiederum die Dekadenz damals und den Fokus auf Kunst (den auch die Succuba haben) verdeutlichen. Hier und da gab es ein paar kleinere Rechtschreibfehler und Verben, die für mich nicht unbedingt passten. Zb „würgt“ Isme sehr häufig in Situationen, in denen ich das nicht erwarten würde. Das Ende ließ mich ehrlich gesagt, etwas unbefriedigt zurück … Sollte es so offen gehalten sein, weil ein zweiter Teil geplant ist, wäre ich aber wohl besänftigt. ;)
24. Dez.24. Dez. 2022
Flapperblutvon Tanja KarmannLindwurm Verlag
