11. Juli
Bewertung:4

Sci-Fi-Engel mit vielen moralischen Fragen ACHTUNG, die Rezension enthält milde Spoiler. Einmal mehr kommt ein Roman von Alessandra Reß mit Tiefgang daher – diesmal geht es um die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, und wie viel das und die Wahrheit wert ist. Die Menschheit ist von der Erde in ein fernes Sonnensystem geflohen. Dort gewinnt die Organisation der Liminalen an Einfluss. Ihre Botschaft: Sterbende können von ihnen zu dem geheimen Planeten Eden mitgenommen werden, wo sie zu Engeln werden und so Unsterblichkeit erlangen. Immer mehr Menschen glauben an die Lehren der Liminalen. Keri ist so jemand. Nachdem ihr Bruder von den Liminalen zu einem Engel gemacht wurde, schließt sie sich der Organisation an, um herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Dante hingegen hat andere Motive: Er wird als Spion einer Organisation von Wahrheitssuchenden eingeschleust, die herausfinden will, was wirklich hinter den Geschichten von Engeln und Unsterblichkeit steckt. „Die Türme von Eden“ ist wie alle Romane von Alessandra Reß komplex. Man muss aufmerksam lesen, um am Ball zu bleiben, und hier noch einmal mehr als bei ihren anderen Werken, finde ich. Wenn man es schafft, wird man aber mit einem interessanten Roman belohnt. Besonders gelungen gefällt mir, wie gut das sektenartige Gefühl der Liminalen transportiert wird. Viele der auftretenden Figuren der Organisation folgen ihr bedingungslos, obwohl sie selbst nicht hinter alle Geheimnisse blicken. Andere, wie Dante, hinterfragen mehr, und nehmen so die Lesenden mit in genau die Räume, wo man sich nicht sicher ist, welche Informationen über die Organisation stimmen und welche nicht, wo Wahrheit aufhört und Mystisches anfängt. Hier sind die Protagonisten gut gewählt, mit denen ich durchweg mitfiebern konnte. Ebenso gut hat mir gefallen, dass eben weitaus mehr hinter der Organisation steckt. Ohne groß zu spoilern stellt sich letztlich fast alles anders da, als es am Anfang den Eindruck erweckt. Problematisch fand ich hingegen den Übergang, wo ich als Leser endlich hinter den Schleier blicken und die Wahrheit erkennen konnte. Denn dies ist leider ein Moment, der mit sehr viel Infodump verbunden ist. So wird an einer spannenden Stelle einfach sehr viel Fahrt aus dem Roman genommen, während man etliche Seiten lang die Wahrheit erklärt bekommt. Wäre dies sukzessiver erfolgt oder knapper gehalten gewesen, hätte es mich als Leser mehr mitgerissen. Auch muss man, wie gesagt, sehr aufmerksam bleiben. Immer wieder ist die Wahrnehmung einzelner Protagonisten eingeschränkt – durch ein Serum oder andere Substanzen –, sodass es als Leser*in ebenso schwerfällt, zu verstehen, was gerade passiert oder was davon echt ist und was nicht. Dass das Ende eher bittersweet ist, finde ich dagegen sehr passend zur ohnehin getragenen, düstereren, etwas melancholischen Stimmung, die der gesamte Roman vermittelt. Es ist somit keine ganz leichte Kost, aber wer aufmerksam am Ball bleibt, wird mit einer durchaus spannenden Geschichte belohnt. Aufgrund der kleineren Probleme mit dem Spannungsverlauf und dem Verständnis, was gerade passiert, gebe ich eine 7/10.

Die Türme von Eden
Die Türme von Edenvon Alessandra ReßLindwurm Verlag
12. Sept.
Bewertung:2

Keri und Dante schließen sich der geheimnisvollen Gruppe der Liminalen an, um mehr über den geheimnisvollen Planeten Eden herauszufinden. Dabei finden sie mehr über sich und ihre Vergangenheit heraus, als ihnen lieb ist… Es kann schwierig sein, einen Roman zu lesen, der eine Thematik besitzt, von der man als LeserIn nicht weiß, die dann aber alles kaputt macht. „Die Türme von Eden“ hat mir das leider allzu eindrucksvoll bewiesen. Denn die Liminalen entpuppen sich als religiös-mystische Sekte. Nun habe ich mit Sektenkulten schon allgemein meine Probleme, aber wenn es um Mystik geht, bin ich leider völlig raus. Dementsprechend schwierig gestaltete sich das Lesen des Buches: Viele Ansätze mögen wirklich gut sein, mir wurden sie durch die mystische verschwurbelte Gedankenwelt der Liminalen kaputt gemacht, so dass ich oft im Endeffekt nichts aus dem Buch mitnehmen konnte. Schön fand ich jedoch die Gestaltung der Hauptcharaktere. Vor allem Dantes kritische, hinterfragende Haltung, half mir manchmal, über für mich schwierige Stellen hinwegzukommen. Hier fand ich auch den Konflikt der Liminalen untereinander spannend, das Gefüge der kritisch Hinterfragenden einerseits und der blind Folgenden andererseits war für mich die beste Stelle des ganzen Romans. Ich muss hier ehrlich sein: Hätte ich vorher gewusst, was hinterher genau in „Die Türme von Eden“ steckt, ich hätte das Buch nicht angerührt. So habe ich mich leider mehr durchgequält als alles andere.

Die Türme von Eden
Die Türme von Edenvon Alessandra ReßLindwurm Verlag