28. Sept.
Bewertung:4

Klaus Scholz ist ein gänzlich unauffälliger Mann um die 60. Seine Nachbarn mögen ihn. Doch tatsächlich ist Klaus Scholz ein Serienmörder mit dem Ziel, als solcher berühmt zu werden. Er postet Beschreibungen seiner Opfer im Blog http://frankfurtripper.wordpress.com/ und auch auf Twitter. Martin Olden erzählt in seinem neuen Roman die Hintergründe und die Karriere des Serienkillers. Die Idee, ein Buch mit einem tatsächlich existierenden Blog in Verbindung zu bringen, finde ich zunächst einmal genial. Das war auch der Grund, warum ich, die ich ja nicht gerade eine begeisterte Krimileserin bin, mich entschieden habe, dieses Buch zu lesen. Dieser Aspekt des Buches zeigt auf erschreckende Art auf, wie stark unsere Gesellschaft vom Internet inzwischen geprägt und ja, verändert, wird. Hinter der Anonymität einer Online-Identität kommen die übelsten Dinge zum Vorschein, Fantasien und Meinungen, die diejenigen wahrscheinlich im direkten Gespräch nie offen äußern würden. Klaus Scholz nutzt das Medium, um sein Ziel zu erreichen, als Serienmörder berühmt zu werden, er möchte es in die Top 10 der Mörder mit den meisten Opfern schaffen und malt sich schon die Interviews aus, die er geben wird, die Bücher, die über ihn geschrieben werden, die Filme, die über ihn gedreht werden. Der Hintergrund von Scholz ist zunächst einmal einer, wie man ihn sich bei einem Mörder vorstellen kann, natürlich liegt die Wurzel des Übels in seiner Kindheit: ein dominanter und herrischer Vater, Mobbing in der Schule, vorzeitige Entlassung aus seinem Job in einer Firma, in der er Jahrzehnte gearbeitet hat, Klaus Scholz fühlt sich abgelehnt, erniedrigt, machtlos, sexuell frustriert und bei seinem ersten, eher zufälligen Mord erlebt er plötzlich ein Gefühl von Macht und Überlegenheit, das er nicht mehr missen will. Ich wollte hier kurz einhaken, denn natürlich wird man wegen Mobbings und dominanter Eltern nicht gleich zum Killer, doch so einfach macht es Olden sich auch nicht, man erfährt weitere Details, so hat Scholz schon als Kind auf eine Hänselei mit ungewöhnlicher Aggressivität reagiert. Was die Morde angeht: Sie sind grausam und ihre Grausamkeit steigert sich bis ins Maßlose. Die Beschreibung des letzten Mordes fand ich unerträglich, ich musste sehr schnell darüberlesen, weil ich es wirklich kaum ausgehalten habe. Ich kann nachvollziehen, warum Olden die Beschreibungen so drastisch und plastisch gestaltet hat, denn es geht ja auch um die Reaktionen, die er im Internet damit erreichen will. Dennoch: Für mich sind diese Szenen zu heftig und ich kann das Buch auch nur Lesern mit starken Nerven empfehlen. Das Ende dürfte für manche Leser ein wenig frustrierend sein, aber ich fand den Zeitpunkt gut gewählt. Unmittelbar nach dem Beenden der Lektüre habe ich dem Buch nur 3 Sterne gegeben, vor allem wegen seiner Grausamkeit. Mit etwas Abstand erhöhe ich die Wertung jetzt auf 4 von 5 Sternen, denn das Buch ist gut lesbar geschrieben und wirklich spannend und interessant, da wäre es unfair, gleich 2 Sterne abzuziehen. Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich bei Gerd Fischer vom mainbook Verlag für das Rezensionsexemplar.

Frankfurt Ripper
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