20. Feb.
DDR für 4 Wochen - sehr lesenswert
Bewertung:4.5

DDR für 4 Wochen - sehr lesenswert

In diesem Buch befinden wir uns in Maulberg einem (fiktiven) Örtchen in Nordsachsen. Hier hilft man sich, ist für einander da und mag es geregelt und geordnet. Neuem und neuen Menschen gegenüber ist man nicht so aufgeschlossen. Dennoch werden die neu aus Dortmund zugezogenen Beate und Petra gut aufgenommen. Beate soll die Kitaleitung übernehmen und Peter einen Film drehen. Schnell bekommen beide mit, dass die Maulberger gerne in der guten alten Zeit schwelgen in der vermeintlich alles besser war - der Zeit der DDR. Warum nicht diese gute alte Zeit wieder aufleben lassen, schlägt Peter vor und so wird, demokratisch abgestimmt, ein 4-wöchiges Experiment mit allem drum und dran gestartet - Ort verlassen nur nach Antrag, weniger Auswahl im Supermarkt, nicht jeder hat Telefon und Auto etc. Es ist sehr spannend zu beobachten, welche Dynamik sich bereits nach kurzer Zeit entwickelt. Teilweise hat es mich an Die Welle erinnert. Wie damals auch entwickeln sich verschiedene Lager - es gibt Maulberger, die das alles super finden und welche, die am liebsten sofort abhauen wollen. In dem Buch zeigt sich auch sehr, wie Menschen sich verhalten, wenn sie mal ein bisschen Macht erhalten und wie schnell Dinge aus dem Ruder laufen können. Ich fand das Buch richtig gut und sehr interessant zu beobachten, wie die Verschiedenen Charaktere handeln.

Maulberg
Maulbergvon Thomas NicolaiSATYR Verlag
8. Juli
Lustig, ernst…. Krass!
Bewertung:3.5

Lustig, ernst…. Krass!

Ich habe Maulberg wegen des witzigen Klappentexts gekauft – und am Anfang wurde ich auch nicht enttäuscht. Der Einstieg war richtig lustig, schräg, fast schon satirisch. Doch das kippte schnell: Aus Lachen wurde Kopfschütteln. Das Buch wurde überraschend ernst – und ziemlich heftig. Obwohl ich „nach der Zeit“ geboren bin, habe ich viele Parallelen zu meiner Familie entdeckt (zum Glück eher die harmlosen!). Aber das hat mir bewusst gemacht wie „wahr“ diese Geschichte einfach sein könnte… Stellenweise hat mich das Bauch an „Die Welle“ erinnert – aber halt in der DDR. Die Handlung spielt nur über ca. vier Wochen, aber es passiert extrem viel in kurzer Zeit. Für meinen Geschmack etwas zu schnell – da fehlte mir manchmal die Tiefe und mehr Hintergründe. Es hätte locker für mehrere Bücher gereicht. Ein kleiner Kritikpunkt: Ich hatte die erste Auflage, die leider noch ein paar nervige Schreibfehler enthält (aus Michaela wurde z. B. plötzlich Michael 😅🫣). Insgesamt ein intensives, überraschendes Buch, das lange nachhallt – aber definitiv anders, als ich es erwartet hatte.

Maulberg
Maulbergvon Thomas NicolaiSATYR Verlag
6. Juni
Bewertung:4

Maulberg – Ein Roman, der nachhallt

Ich habe „Maulberg“ von Thomas Nikolai vor zwei Wochen gelesen und musste das Buch erstmal sacken lassen, bevor ich meine Gedanken dazu aufschreibe. Es ist definitiv kein Roman, den man einfach so wegliest und dann gleich wieder vergisst – dafür ist er zu speziell, zu eigenwillig und, ja, auch zu fordernd. Die Geschichte spielt in einer Kleinstadt, in der auf den ersten Blick nicht viel passiert, aber unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Maulberg ist ein Ort voller Eigenheiten, voller Menschen, die alle auf ihre Art ein bisschen schräg sind. Nikolai schafft es, diese Atmosphäre so dicht und glaubwürdig zu schildern, dass ich mich manchmal selbst wie ein Bewohner dieser Stadt gefühlt habe. Es ist ein bisschen so, als würde man durch ein Schlüsselloch in eine Welt schauen, die einem fremd und vertraut zugleich erscheint. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie der Autor mit Sprache umgeht. Der Stil ist manchmal sperrig, manchmal poetisch, aber immer sehr bewusst gewählt. Das hat dazu geführt, dass ich an manchen Stellen echt innehalten musste, um das Gelesene wirken zu lassen. Es ist kein Buch, das einen mit Action oder großen Gefühlen überrollt, sondern eher eins, das sich langsam entfaltet und dabei immer wieder unerwartete Wendungen nimmt. Ich gebe zu, zwischendurch hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit dem Roman. Manche Passagen ziehen sich ein wenig, und nicht jede Figur ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Aber gerade das macht „Maulberg“ irgendwie besonders – es ist kein Wohlfühlbuch, sondern eher ein literarisches Experiment, das einen herausfordert, genauer hinzuschauen und sich auf Ungewöhnliches einzulassen. Am Ende hat mich das Buch auf eine ganz eigene Weise berührt. Es hat mich dazu gebracht, über Heimat, Zugehörigkeit und das Anderssein nachzudenken. Ich glaube, das ist auch das, was „Maulberg“ so wichtig macht: Es zeigt, wie vielschichtig und widersprüchlich das Leben abseits der großen Städte sein kann. Mein Fazit: „Maulberg“ ist kein Buch für jeden, aber für alle, die Lust auf etwas anderes haben und sich gerne auf literarische Experimente einlassen, eine klare Empfehlung. Ich gebe dem Roman vier Sterne – weil er mich gefordert, überrascht und am Ende auch ein Stück weit verändert hat.

Maulberg
Maulbergvon Thomas NicolaiSATYR Verlag
2. Juni
Bewertung:5

Eine großartige Geschichte über das Vergessen und Erinnern und über historische Verklärung. Wer sich fragt, wie es zu den Ereignissen der Nazi-Zeit und DDR kommen konnte, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Und in den aktuellen Zeiten, wo wir Gefahr laufen, dass sich alles wiederholt, am besten jeder Mensch. Thomas Nicolai bringt das Kippen des ursprünglich unbedarft geäußerten Experimentes „4 Wochen DDR“ sooo gut rüber, und bei der Auflösung am Ende hatte ich richtig Gänsehaut. Es war anfangs so witzig und locker, wurde dann immer ernster, gruseliger und aufwühlender. Sensationell geschrieben und auch das Hörbuch ist super vom Autor eingelesen. Große Empfehlung!

Maulberg
Maulbergvon Thomas NicolaiSATYR Verlag