,,Manchmal führt die Wahrheit allerdings zu Missverständnissen. Und ich glaube, dass der meiste Streit auf unserer Welt von Missverständnissen herrührt.“
Die achtjährige Luzia lebt bei einer Ziehmutter in Wien. Es ist eine sehr bewegende Geschichte über ein Mädchen das versucht herauszufinden wo sie eigentlich herkommt.
Die Geschichte spielt aus früherer Zeit in Österreich und man begleitet Luzia auf ihrem Weg auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter.
Inhalt
Wien, 1926: Hunderte warten im Schneetreiben vor den Arbeitsämtern, bei Protesten fallen Schüsse, und schwangere Frauen pilgern heimlich zu einem schäbigen Zinshaus in der Troststraße, um die Dienste einer gewissen Frau Tóth in Anspruch zu nehmen. Diese ist Pflegemutter der achtjährigen Luzia, eines schüchternen Mädchens, das inmitten all jener Unruhen anfängt, nach dem Verbleib ihrer leiblichen Mutter zu fragen. Als die Mutter aber nichts von ihr wissen will, schickt man Luzia als Dienstkind zu Bauern in die Bucklige Welt, wo sie zunächst alleine ihren Weg bestreiten muss. Ein Roman über ein ungewolltes Kind in einem ungewollten Land, über Hoffnung in finsteren Zeiten und die Suche nach Zugehörigkeit.
Meinung
Dieses Buch war inhaltlich, wie auch der Autor, für mich absolutes Neuland. Auch der Spielort, Österreich, und die Zeit, 1926, ist tatsächlich eher selten bei mir zu finden. Umso interessanter war es dann mich einmal auf etwas Neues einzulassen. Am Anfang hatte ich ein paar Schwierigkeiten mit dem Sprach- und Schreibstil, konnte mich aber mit und mit gut darauf einlassen. Ich mochte besonders die Stimmungen, die zwischen den Zeilen sehr gut spürbar waren. Die Charaktere sind alle sehr gut beschrieben.
Insgesamt hat das Buch einen sehr tiefgründigen und emotionalen Hintergrund.
Ich habe deutlich länger an diesen Seiten gelesen als sonst, das war aber auch gut so. Ich konnte mich so viel besser auf die Geschichte einlassen.
Im Großen und Ganzen war es ein wirklich interessantes Buch! Danke dafür!
„Luzia – Kindheit zwischen zwei Kriegen“ von Daniel Stögerer ist ein feinfühliges und bewegendes Kurzwerk, das seine Leser*innen auf eindrucksvolle Weise in die schwierige Kindheit der achtjährigen Luzia eintauchen lässt. Die Geschichte basiert auf der wahren Biografie der Urgroßmutter des Autors und ist durch Stögerers bildhaften und authentischen Schreibstil ein Denkmal, das nicht nur berührt, sondern auch die sozialen und politischen Spannungen im Österreich der Zwischenkriegszeit lebendig werden lässt.
Luzia, unehelich geboren und von ihrer Mutter getrennt, wächst zunächst in Wien bei der rauen Pflegemutter Frau Tóth auf, später dann als Dienstkind auf einem Bauernhof in Niederösterreich. Sie erfährt wenig Liebe und Geborgenheit und wächst in einer Welt voller Armut und Entbehrung auf. Die kleine Luzia steht exemplarisch für viele Kinder ihrer Generation, die aus Not und gesellschaftlicher Ächtung von ihren Familien getrennt wurden. Stögerer vermittelt Luzias Einsamkeit und ihre Suche nach Zugehörigkeit in einer Weise, die tief unter die Haut geht.
Der Autor erschafft mit seinem klaren und bildhaften Stil ein historisches Wien, das alles andere als idyllisch wirkt. Inmitten von Arbeitslosigkeit und politischen Unruhen zeichnet sich ein düsteres Bild jener Epoche ab. Die vielen authentischen Wiener Ausdrücke geben der Erzählung zusätzliche Lebendigkeit und Authentizität, was das Leseerlebnis bereichert und die Sprachmelodie Wiens der 1920er-Jahre aufleben lässt. Man spürt als Leser*in die Verbitterung und Verzweiflung der damaligen Zeit, und zugleich fühlt man mit Luzia, deren Fragen nach ihrer Mutter und ihren Wurzeln stets im Raum stehen.
Auf nur 130 Seiten gelingt es Stögerer, ein dichtes, atmosphärisches Porträt einer Kindheit zu zeichnen, das auch von den rauen Realitäten eines Landes im Umbruch geprägt ist. Trotz der Kürze des Romans entfaltet sich eine tiefe Verbindung zu Luzia, die nicht zuletzt auf dem starken Bezug zur Familiengeschichte des Autors gründet.
„Luzia – Kindheit zwischen zwei Kriegen“ ist eine leise und zugleich kraftvolle Geschichte über Einsamkeit, Herkunft und die Frage nach dem eigenen Platz in der Welt. Ein Werk, das mit sprachlicher Präzision und Feingefühl überzeugt, zum Nachdenken anregt und das Herz berührt.
Ich bin bekennender Daniel Stögerer-Fan der ersten Stunde und auch mit Luzias Geschichte - die auf wahren Begebenheiten aus dem Leben seiner Urgroßmutter basiert - hat mich der österreichische Jungautor erneut zutiefst beeindruckt. Mit seiner bild- und wortgewaltigen Sprache ließ er mich nicht nur visuell in die Erzählung eintauchen - ich hatte das Gefühl, Luzia auch akustisch und olfaktorisch zu begleiten. Und ich war meiner Oma ganz nahe, die Ausdrücke wie "Plafond" und "Trottoir" in ihrem täglichen Sprachgebrauch benutzte. Und eine "Lavour" verwende ich heute noch. 😊
Trotz der tristen Zeit und Luzias bewegendem Schicksal, ist das kleine Mädchen von Menschen (und dem Kater Sultan 😻) umgeben, die ihr Möglichstes tun, um sie zu behüten und auf ihrem Weg zu begleiten. Luzias Geschichte entwickelte sich für mich manchmal überraschend und dank der Einfühlsamkeit des Autors war mir die Zeit, in der Luzia aufwuchs so nah, dass ich vergaß, dass ich 100 Jahre in die Geschichte zurückgereist war. Eine bewegende Geschichte, mit herausragendem Talent und viel Empathie authentisch aus Sicht der kleinen Luzia erzählt. Eine ganz große Leseempfehlung von mir!
*Werbung/Rezensionsexemplar
📖: @stoegererdaniel - Luzia
Wow. Wie viel kann man mit wenigen Worten erzählen. Wie viel kann man unsichtbar zwischen die Zeilen schreiben. Daniels Antwort darauf: Ja.
Luzia war keine leichte Kost für Zwischendurch. Wir lesen von Luzia, die als Pflegekind bei Frau Tóth im Wien der Zwischenkriegszeit lebt.
Schon in Zeile 2 musste ich ergooglen, was ein „Trottoir“ ist. Ab da schwelgte ich dank „Wiener Zuckerln“, „Plafond“, „Lavoir“ aka Lawur, „Kredenz“, etc. im Sprachraum meiner Uroma. 🥰
Daniel Stögerer erzählt Luzias Geschichte, die auf seiner Uroma beruht, auf knappen 140 Seiten tiefgründig und klug aus der Sicht des Mädchens, das seine Mutter kennenlernen und ein Zuhause finden will. Nicht nur Luzias Kindlichkeit sondern auch die Menschen und Tiere, die sie umgeben sind berührend ausgearbeitet. Darüber war sich auch unser Lesezirkel einig. 🥰
5/5 Sultans 🐈⬛🐈⬛🐈⬛🐈⬛🐈⬛
~Luzia - Kindheit zwischen zwei Kriegen von Daniel Stögerer~
Wien in den 20er Jahren. Die junge Luzia lebt bei ihrer Ziehmutter Frau Tóth. Wer ihre leibliche Mutter ist, weiß sie nicht. Luzia spaziert durch die Troststraße, kauft Kräuter für Frau Tóth und wird abends von Liszt, dem Untermieter, ins Gasthaus Stoß am Himmel mitgenommen. Doch während es in der österreichischen Politik zu brodeln beginnt, erfährt Luzia das Geheimnis von Frau Tóth - und plaudert es aus. Deshalb wird Luzia zu einem Bauernhof in der Buckligen Welt geschickt. In der neuen Umgebung beginnt sie damit, sich mit ihrer leiblichen Familie auseinanderzusetzen.
Ich habe das Buch gemeinsam mit @semis_secret_bookshelf und @ninnirials_buchtal gelesen und was soll ich sagen? Daniel hat ein unglaubliches Talent für Worte. Ein Gespür dafür, immer die richtigen zu finden. Er schafft es, die kindliche Gedankenwelt perfekt darzustellen. Mit Feingefühlt behandelt Daniel Thematiken der Zwischenkriegszeit und Themen, die auch heute noch (wieder?) relevant sind.
Luzias Geschichte hat mich sehr berührt und Kater Sultan hätte ich am liebsten selbst in den Arm genommen. Die Geschichte ist von Daniels Urgroßmutter inspiriert und ein Beweis dafür, dass Geschichte mehr ist als nur Jahreszahlen und bekannte Namen. "Geschichte" sind die Leben der kleinen Leute, die ohne Autoren wie Daniel wahrscheinlich in Vergessenheit geraten würden.
5/5🐈🐈🐈🐈🐈