Putzen, Pflegen, Verpflegen … Berufe die überdurchschnittlich oft mit Frauen besetzt sind, die tendenziell schlecht bezahlt werden und wenig Anerkennung finden.
In „Frau Putz“ geht es um die selbstständige Reinigungskraft Kerstin Wischnewski. Sie erhält die Chance, zahlungskräftige Kunden von einer Kollegin zu übernehmen, die in den Ruhestand geht. Die neuen Kunden sind so verschieden wie kompliziert. Aber auch Kerstin selbst hat ihr Päckchen zu tragen.
Die Geschichte zeigt, dass von Frauen, die bezahlte Care-Arbeit leisten, eine gewisse Unsichtbarkeit und Gesichtslosigkeit erwartet wird.
Die Autorin schafft es auch, mich mit einem feinen Humor zu unterhalten und im Laufe der Geschichten immer mehr mit der Tragik der Charaktere zu berühren.
Das Buch transportiert in seiner relativ kurzen Form und gestrafften Erzählweise erstaunlich viel. Große Leseempfehlung.
Die Putzstellen der selbstständigen Reinigungskraft Kerstin Wischnewski reichen kaum aus, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Als dann noch Arbeitgeber wegbrechen, ist das Konto bis zum Anschlag überzogen, die dringend nötige Zahnsanierung rückt in weite Ferne, Mahnungen liegen täglich im Briefkasten und ihr Auto beginnt, den Geist aufzugeben. Rettung naht scheinbar durch ihre Kollegin Erika, die in Rente geht und Kerstin als Nachfolgerin empfohlen hat. Doch diese Putzstellen , die sie übernimmt, sind sehr speziell. Kerstin kommt teilweise an ihre Grenzen und an Grenzen, wie sie behandelt wird, die sie nicht akzeptieren möchte. Doch sie braucht das Geld, schluckt vieles runter und betäubt ihre Einsamkeit und Wut mit Schokolade.
Warum dieser Berufszweig noch immer so herablassend behandelt und so wenig wertgeschätzt wird, kann ich nicht verstehen. Julia Hoch schildert Situationen in die Kerstin gerät, unverschämtes Verhalten und Forderungen der Arbeitgeber, da kann man nur den Kopf schütteln. Aber es gibt auch Kunden wie die demente Frau Schmidtmeier, die sie als Mensch sieht und behandelt.
Locker leicht geschrieben, hält uns Julia Hoch einen Spiegel vor, gibt den Impuls nachzudenken und vielleicht ein bisschen was zu ändern an der Einstellung und dem Verhalten gegenüber den Reinigungskräften und einfach nur Respekt und Anerkennung zu zeigen
Ich mochte es sehr ⭐
Dem Verlag und der Autorin danke ich herzlich für das Rezensionsexemplar.
W steht für Wischen und Wienern
W steht für Weitermachen
W steht für Wischnewski
Kerstin Wischnewski kommt in Ecken, wo niemand gerne ist. Sie säubert voll geschmierte Toiletten, krümelige Kinderzimmer und staubige Ateliers. Niemand geht so wirklich nett mit ihr um. Von oben herab, im Befehlston oder so, als wäre sie gar nicht wirklich existent.
Aber Kerstin macht weiter, immer weiter, denn die Rechnungen sind hoch und von irgendwas muss sie sich ja schließlich Schokolade kaufen.
Was zu Beginn wie eine episodenhafte Erzählung über eine Reinigungskraft und deren skurrile Kunden anmutet, entwickelt sich zu einem Leporello, in dem wir nach und nach die dunklen und hellen Seiten im Leben einer einsamen Person kennen lernen. Verlassen sein und verlassen werden, sind die großen Themen dieses Buches, die sich in vielen Protagonisten widerspiegeln.
Sofort ist man in der Geschichte drin und der akzentuierte Erzählstil von Julia Hoch übte eine große Sogwirkung auf mich aus. Innerhalb von zwei Tagen habe ich das Buch durchgesuchtet.
Man in identifiziert sich schnell mit Kerstin, fühlt das sich Sorgen machen und Verdrängen. Die Katastrophe, die über einen herein bricht, wenn der Job von heute auf auf morgen wegfällt und die Müdigkeit, die einen übermannt und verhindert, dass man den Job auch privat gerne ausübt.
Das Buch hat starke Emotionen bei mir ausgelöst, von Wut über Mitgefühl zu Entsetzen und Scham! Lediglich das Ende war mir ein bisschen zu offen…
Die ist mal wieder so ein Buch, dass uns Menschen sichtbar macht, die da sind, ihre wichtige Arbeit tun, aber unsichtbar bleiben (sollen?). Ein Buch das, wenn man an seiner Oberfläche kratzt, ganz viele Tiefe frei legt.
Frau Putz
Julia Hoch
Bei Kerstin Wischnewski läuft es zur Zeit nicht rund: Die Mahnungen flattern täglich ins Haus und neue Zähne bräuchte sie eigentlich auch. Geld hingegen kommt keines regelmäßig auf ihrem Konto an. Damals hatte sie die Schule abgebrochen und seitdem arbeitet sie als selbstständige Reinigungskraft.
Da kommt es gerade recht, als ihre ehemalige Kollegin Erika sie bittet, ihre guten Kunden zu übernehmen. Kunden, die zwar extraordinär und einige Extrawünsche haben, aber ausgesprochen gut zahlen.
Fortan verbringt Kerstin viel Zeit in einem Atelier, bei einem speziellen Künstler, der mit skurrilen Materialien arbeitet, einem Großraumbüro mit nervigen Angestellten, einer älteren Dame, die an Demenz erkrankt ist und eine Taube für ihre Großtante hält, sowie einer Familie mit Drillingen, wo gerne auch mal Arbeiten anstehen, für die sie eigentlich nicht gebucht wurde.
All diese Menschen stellen Kerstin auf eine harte Probe.
Die Botschaft in diesem Buch ist deutlich: Es geht um mangelnde Wertschätzung ihres Berufsstandes.
Wie sie von den einzelnen Leuten behandelt wird, hat mich teilweise betroffen gemacht; zum Ende musste ich eine kleine Träne verdrücken.
Obwohl ich eine Aversion gegen Tauben habe, hat mich dieses Buchcover total für sich eingenommen.
Der leichte Schreibstil von Julia Hoch ließ mich durch die Seiten fliegen, und obwohl ich nur ein leichtes Buch für den Urlaub wollte, hat mich am Ende der Tiefgang überrascht.
Fazit:
Niedliche Geschichte, die sich sehr gut lesen lässt und über dessen Botschaft man gerne mal nachdenken darf!
4½/ 5