
Beeindruckender Reisebericht
Eine Reise nach Spitzbergen - ein Meilenstein! 🥶🐻❄️⚓️🌊🗻❄️
1839 beging die Französin Léonie d’Aunet neunzehnjährig eine Forschungsreise nach Spitzbergen, als erste und einzige Frau unter einer sonst vollständig männlichen Besatzung. Erstmals ist die „Reise einer Frau in die Arktis“ 1854 als Originalausgabe im Pariser Hachette erschienen und nun neu herausgegeben vom mare-Verlag erstmalig in deutscher Übersetzung. In die Literaturgeschichte ist Léonie d’Aunet vor allem als Muse Victor Hugos eingegangen. Mit dem Reiseziel Spitzbergen schildert die Autorin anhand von Briefen ihrer Reisestationen, die von Paris nach Hamburg reichen - von Hamburg nach Christiania usw. Léonie d’Aunet hat neun inhaltlich sehr unterschiedliche Briefe verfasst - in einem erfahren wir zum Beispiel von den Menschen Lapplands, die Autorin bringt uns die Sitten, Bräuche - vordergründig die Kultur Lapplands näher. Das Ziel ist Spitzbergen, welches über Hammerfest; die Bäreninsel und schließlich dem Magdalenenfjord erreicht wird. Die Strapazen einer solchen Reise können wir uns heutzutage kaum vorstellen, im Zeitalter von allen möglichen Utensilien, die das Reiseleben vereinfachen. Doch Leonie d’Aunet ermöglicht uns einen authentischen Einblick in die Reisezustände der damaligen Zeit - mithilfe ihrer Beobachtungen, Beschreibungen, Eindrücke und Gedanken, die sie mit uns teilt, erleben wir hautnah mit, was sie zu der Zeit erlebt hat - auch die Missgeschicke: ein falsch eingespanntes Pferd ließ die Kutsche umkippen; ein Auflaufen des Schiffs auf eine Sandbank; stärkster Wellengang bei Le Havre; ein zu nah an Land durchgeführter Kurswechsel, der zu Schäden am Schiff führte; dichtester Nebel bei Trondheim, der tagelang ein Anlanden unmöglich machte, …etc Auch alle Liebhaber von Natur- und Landschaftsbeschreibungen kommen hier auf ihre Kosten. Sie schildert uns anhand ihrer Reisen zahlreiche Facetten der Flora und Fauna von Lappland bis Spitzbergen. „Die Reise einer Frau in die Arktis“ ist ein Portrait einer emanzipierten Frau - für diese Zeit sehr ungewöhnlich, gibt sich Léonie d’Aunet unabhängig, stark und mutig - einfach eine stolze Frau mit Werten, die man heute 1:1 übernehmen kann. Ein absolut einzigartiger Einblick in das Reiseleben einer außergewöhnlichen Frau, den ich keinesfalls missen möchte!
interessant - unterhaltsam - furios!
Das Buch hat mich fasziniert. D'Aunet beschreibt teilweise zynisch, sehr direkt und gnadenlos im Urteil, aber stets reflektiert und informiert, ihre Erlebnisse auf einer, für eine Frau in dieser Zeit, sehr speziellen Reise. Und das mit gerademal 19 Jahren! Von Paris nach Spitzbergen und wieder zurück bekommt die Leserschaft einen sehr lebhaften, wenn auch subjektiven Eindruck verschiedenster Orte Deutschlands, Schwedens, Finnlands, Norwegens, Lapplands und Preussens. Die Autorin ist gnadenlos in ihrem Urteil über "Zivilisationsstufen" anderer Länder und Völker, was dem bürgerlichen Geist der damaligen Zeit nicht besser entsprechen könnte. Eine Frau begleitet zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Forschungsexpedition in den hohen Norden - was eigentlich nicht zulässig war, erreicht d'Aunet mit ihrer Schlagfertigkeit und gebildeten Intelligenz. So ist ein aussergewöhnlicher Reisebericht entstanden, der sehr unterhaltsam ist und gerade durch die sehr lesbare Mischung aus Dokumentation und Meinung zum Gesehenen besticht. Im Nachwort wird die Bedeutung ihrer Reise und eine kurze Biografie d'Aunets beschrieben, die ähnlich wie der Bericht sehr aufschlussreich war und beeindruckend auf mich wirkte. Léonie d'Aunet scheint die "femme fatale" des 19. Jahrhunderts gewesen zu sein; intelligent, schlagfertig, gebildet, direkt und gnadenlos - eine absolute Empfehlung meinerseits dieses Buch zu lesen!