
In "A Head Full of Ghosts" von Paul Tremblay blickt die erwachsene Merry Barrett auf die Ereignisse ihrer Kindheit zurück, als ihre ältere Schwester Marjorie zunehmend verstörendes Verhalten zeigte. Die Familie gerät dadurch in eine schwere Krise und erlaubt einem Reality-TV-Team, die vermeintliche Besessenheit Marjories zu dokumentieren. Während ein Exorzismus vorbereitet wird, verschwimmen die Grenzen zwischen psychischer Erkrankung, religiösem Glauben und möglicher übernatürlicher Einflussnahme. Jahre später versucht Merry, die damaligen Geschehnisse zu verstehen, wobei ihre Erinnerungen nicht immer eindeutig oder zuverlässig erscheinen. Wow, das war mal ein Buch, das mich nahezu sprachlos zurückgelassen hat. Mit dieser Geschichte habe ich überhaupt nicht gerechnet. Besonders gelungen fand ich die Erzählweise mit den Blogeinträgen von Karen Brissette und den späteren Interviews mit Merry. Gerade diese Erzählweise hat mich immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Die Beschreibungen sind unglaublich detailliert und lebendig, sodass ich mich mehr als einmal gefragt habe, wie klar die Erinnerungen eines Kindes tatsächlich sein können. Besonders faszinierend fand ich, dass man sich nie sicher sein kann, was wirklich hinter Marjories Verhalten steckt. Während des Lesens hatte ich die unterschiedlichsten Theorien, von Schizophrenie über Folie à deux bis hin zu tatsächlicher Besessenheit oder sogar der Beschwörung von etwas Bösem. Am meisten mitgelitten habe ich mit Merry. Immer wieder tat sie mir unfassbar leid, weil sie als Kind mitten in all diesem Chaos gefangen ist. Aber auch die Eltern haben mich beschäftigt, da man miterlebt, wie beide auf ihre eigene Weise unter der Situation zerbrechen. Das Ganze wirkte so erschreckend real, dass ich zeitweise völlig vergessen habe, dass ich eine fiktive Geschichte lese. Für mich war „A Head Full of Ghosts“ ein intensiver, kluger und unglaublich atmosphärischer Horrorroman, der weit mehr bietet als nur Grusel und der noch lange im Kopf bleibt.


















