1. Dez.
Bewertung:5

Ein bildgewaltiges Puzzle Aus dem Bielefelder Pendragonverlag kommt schon früh im Jahr 2021 ein Lesehighlight! Andreas Kollender erzählt den Leser:innen in "Mr. Crane" aus den letzten Tagen des Schriftstellers Stephen Crane und verbindet dies mit einer (fiktiven) Lovestory zwischen ihm und der Krankenschwester Elisabeth. An die Tage mit Stephen Crane erinnert sich Elisabeth parallel zu einem zweiten Erzählstrang, der 14 Jahre später in Zeiten des Ersten Weltkriegs angesiedelt ist. Dabei erfährt die geneigte Leserschaft erst nach und nach aus dem Leben von Stephen Crane. Andreas Kollender lässt den Autor von "Die rote Tapferkeitsmedaille" teilweise sehr wirr und (gewollt) zusammenhanglos aus seinem Leben erzählen; dies ist aber angesichts des nahen Todes (Stephen Crane hatte Tuberkulose) ein durchaus interessanter Erzählansatz, der die Dramatik (erfolgreich) erhöht - entwickelt die Geschichte doch von relativ Anfang an einen Sog, dem sich die geneigte Leserschaft kaum entziehen kann. Die lustvollen Passagen zwischen Stephen Crane und Schwester Elisabeth muten zunächst etwas seltsam an und sind bestimmt auch nicht Jedermanns Sache; sie machen aber recht deutlich, dass sich hier zwei gesucht und gefunden haben und sind auch geschickt "platziert". Den Beschreibungen nach muss Mr. Crane scheinbar ein ziemlicher "Frauenheld" gewesen sein... Sehr deutlich kommt meiner Meinung nach in der Erzählung Stephen Cranes und somit auch Andreas Kollenders (kritische) Stimme zum Thema "Fotos von Menschen in unmittelbarer Nähe des Todes oder im direkten Anschluss" durch - damals wie heute ein ethisch und moralisch hoch emotionales und fragwürdiges Thema. Viel Raum gibt Andreas Kollender in seinem Roman auch dem Spiel von Licht und Schatten, was ihm äußerst gut zu Gesicht steht. Überhaupt ist die Sprache sehr poetisch und bildhaft und als Leser:in muss man schon öfter etwas genauer und langsamer lesen, um die Botschaft dahinter zu "erkennen". Das sorgt jedoch nicht für einen Abbruch des Leseflusses; im Gegenteil. Wie oben bereits erwähnt, ist "Mr. Crane" ein frühes Highlight im Jahr 2021 für mich und vergebe deshalb 5* und eine absolute Leseempfehlung! © kingofmusic

Mr. Crane
Mr. Cranevon Andreas KollenderPendragon
29. Nov.
Bewertung:4

*Rezensionsexemplar* "Vielleicht seien das die einzigen Worte, die sich wirklich lohnen, hatte Mr.Crane gesagt, die, die wir uns kaum auszusprechen wagen." In einem Tuberkulose-Sanatorium pflegt eine junge Krankenschwester namens Elisabeth den Schriftsteller Stephen Crane. In seinen Delirien und im Fieberwahn erzählt er ihr immer wieder von seinen Erlebnissen. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine obsessive Liebesbeziehung, die sie vor allen geheim halten müssen. ******************************************************************************** Die Geschichte von Elisabeth und Mr.Crane hat mich sehr fasziniert. Während dem Lesen wurden bei mir etliche Bilder geweckt, denen gerade auch durch viel Implizites viel Freiheit gelassen wurde. Ich fand den Schreibstil sehr angenehm und kam gut voran. Das Buch kam mir sehr "aufgeladen" vor, in den heissen Tagen wird die Liebesbeziehung der beiden immer obsessiver, immer intensiver und die Gefahr, die sie miteinander eingehen immer grösser. Ich fand die Figur von Elisabeth wirklich interessant, da schnell klar wird, dass sie die eigentliche Protagonistin des Werks ist. Ihre Gedankengänge und auch ihr Verhalten ist sehr eigen für eine Frau in der damaligen Zeit, was ich ein spannendes Element finde. Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen und so erinnert sich Elisabeth immer wieder an ihr Verhältnis zu Mr.Crane. Auch das finde ich einen sehr gelungenen Handgriff. Der / die Leser*in erhält dadurch ein Gefühl der Nähe zu der Protagonist, man ist quasi dabei, wenn sie die Ereignisse verarbeitet. Leider konnte ich trotz allem nicht ganz warm werden mit der Beziehung die Elisabeth und Mr.Crane zueinander führen. Obwohl mir bewusst ist, dass das vom Autor stellenweise sicher so gewollt ist, hat mich die Beziehung und vor allem auch der Umgang Mr.Cranes mit Elisabeth erschrocken. Es war mir oft zu intensiv und zu heftig. Dadurch hatte ich ein weniger grosses Verständnis für die beiden, was ich sehr schade finde. Mein Kritikpunkt ist natürlich sehr subjektiv und die Tatsache, dass mir die Liebesbeziehung der beiden nicht gefallen hat, liegt vermutlich auch einfach daran, dass ich als junge Frau in einer ganz anderen Zeit lebe. Alles in allem ein gutes Buch, das mir ein paar interessante Stunden bereiten konnte und das ich sehr gerne weiterempfehle. An alldiejenigen, die sich für das Entdecken einer solche Liebesbeziehung bereit fühlen natürlich.

Mr. Crane
Mr. Cranevon Andreas KollenderPendragon
23. Sept.
Bewertung:3

Mr. Crane also: eines der großen Talente der amerikanischen Literatur, sehr früh mit Ende 20 an TB verstorben. Doch wer nun ein Psychogramm des Autors am Ende seines Lebens erwartet, wird sich wundern. Eigentlich müsste der Roman vielmehr „Schwester Elisabeth“ heißen, denn nicht Mr. Crane, sondern die Entwicklung und Entfaltung der ihn 1900 in Badenweiler pflegenden Krankenschwester steht im Zentrum dieses sprachlich sehr wunderbaren Romans. Während des auf zwei Zeitebenen erzählten Geschehens durchlebt Schwester Elisabeth nochmals die für sie alles definierenden Tage im Sommer 1900, die sie zu der Figur werden lassen, die sie am Ende des Buches ist. Auch wenn der Roman vermutlich keinen feministischen Ansatz verfolgt: am Ende des Tages setzt er ein Ausrufezeichen hinter die Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Frau. Irritierenderweise geht dieser Effekt auf Kosten der Protagonistin, die man zu Anfang der Geschichte als sympathische, fürsorgliche und etwas einsame Pflegerin wahrnimmt und am Ende als manipulativen und egozentrischen Charakter erkennt, die auf ihrem Weg den berühmten Autor zu einem Objekt ihrer Bedürfnisse macht. Diese Art der negativ verlaufenden Sympathielenkung findet man nicht häufig, sie ist hier der schonungslosen, ungefilterten Innensicht auf Elisabeths Gedanken und Emotionen geschuldet, auf ihr zielgerichtetes Vorgehen, ihre eigenen Wünsche erfüllt zu sehen. Unbequem wird Elisabeth als Figur vermutlich für den Leser auch dadurch, dass sie im Kontext ihrer Zeit „unangepasst“ wirkt und sich in ihrer Figur eine Vertauschung der Geschlechterrollen anbahnt. Während Crane immer schwächer und abhängiger wird, wird sie dominanter und rücksichtsloser in ihrem Handeln. Auch wenn Elisabeth also nicht meine Gunst erlangt, so ist sie als Figur sehr gut konzipiert. Schwierigkeiten bereitete mir der obsessive Charakter der Beziehung zwischen Crane und Elisabeth. Ich mag dieses Verhältnis nicht als „Liebe“ bezeichnen, dazu war mir das Verhältnis zu „oversexed“. Sicherlich macht dieser Fokus Sinn, wenn es um die Idee einer Befreiung aus einer restriktiven Gesellschaft und Normenwelt geht, aber gestört hat es mich in dem Ausmaß den es hier einnahm dennoch – aber das ist selbstverständlich Geschmackssache. Die wundervolle Sprache des Romans, die sehr gelungen und sinnvoll platzierten Bilder, haben mich jedoch begeistert und durch den Text getragen. Wortwahl und Stil haben mich von Anfang an in ihren Bann geschlagen. Was die Art des Schreibens angeht, gehört der Roman zu meinen Lieblingsbüchern in diesem Jahr – aber leider konnte die Story mich nicht ganz so abholen.

Mr. Crane
Mr. Cranevon Andreas KollenderPendragon
18. Dez.
Bewertung:3

Das Buch ist im Grunde eine Biografie, die als Roman geschrieben wurde. Das Leben des Stephen Crane wird anhand einer Liebesgeschichte erzählt. Die Geschichte spielt in dem Kurort Badenweiler, welches um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert renommierr für Tuberkulose-Kuren war. Die nächste Protagonistin neben Stephen Crane ist seine Krankenschwester. Diese erfährt von ihm viel über dessen Werdegang. Es macht Spaß, als Lese soviel über den einzigartigen Charakter von Stephen Crane zu erfahren. Die Liebesgeschichte ist stellenweise mir persönlich zu melodramatisch und fehl am Platz erschienen. Die Liebesgeschichte hätte meines Erachtens nach gut in deutlich gekürzterer Fassung geschildert werden können. Dennoch ist dies insgesamt ein gelungenes Buch, was teilweise nur etwas langatmig wirkt und so nicht unbedingt ein Pageturner ist.

Mr. Crane
Mr. Cranevon Andreas KollenderPendragon
20. Nov.
Bewertung:4

Ich wusste bereits wegen des ansprechenden Covers und dem interessanten Klappentext, dass das ein Buch ganz nach meinem Geschmack werden würde, aber hätte nicht erwartet, dass es mich tatsächlich so sehr in den Bann ziehen würde, wie es es letztendlich getan hat. War ein richtiger Page-Turner und ich konnte es manchmal nur schwer aus der Hand legen. Stephen Crane ist ein Autor, den ich auch sehr bewundere und dessen Arbeit und Leben ich auch schon mit großem Interesse verschlungen hab. Umso mehr hat mir deswegen dieser kleine Ausflug nach Badenweiler gefallen und ich fand die kurze Liebesgeschichte zwischen ihm und der Krankenschwester Elisabeth wirklich fantastisch gelungen. Ebenso die Sprünge zwischen den Jahren 1900 und 1914. Wahnsinn was man alles in insgesamt 8 Tage packen kann. Es ist auf jeden Fall eine Leseerfahrung gewesen, die ich nicht missen wollen würde und die mir bestimmt lange in Erinnerung bleiben wird. Das war mal etwas anderes und mir hat angefangen beim Schreibstil bis hin zu den Charakteren und dem Plot alles daran gefallen.

Mr. Crane
Mr. Cranevon Andreas KollenderPendragon