
Manchmal liegt zwischen einem guten Konzept und einem wirklich guten Buch genau diese eine Frage, nämlich ob es einem gelingt, den Leser auch emotional hineinzuziehen. Bei "Das Jahr der Schmetterlinge" von Lea Korsgaard war das für mich nicht ganz der Fall, und ich finde es wichtig, das zu benennen, auch wenn das Buch handwerklich wirklich Stärken hat. Die Grundidee hat mich sofort überzeugt. Alle heimischen Schmetterlingsarten innerhalb eines Jahres suchen, das klingt zunächst nach einem naturkundlichen Projekt und entpuppt sich dann als Suche nach dem Sinn des Lebens. Diese Metaebene funktioniert, und besonders die philosophischen Passagen sind Korsgaard richtig gut gelungen, sie wirken nie konstruiert oder aufgeklebt. Was mich aber immer wieder aus dem Lesefluss geworfen hat, waren die langen Beschreibungspassagen und eine Innenwelt der Erzählerin, die für mich zu wenig greifbar wurde. Ich konnte ihre Gedanken lesen, aber ich konnte sie nicht nachfühlen. Und bei einem Buch, das so viel über persönliche Transformation verspricht, ist das eine entscheidende Lücke. 3 von 5 Sternen, vergeben mit echtem Respekt für das Vorhaben und mit der Empfehlung an alle, die Naturbücher in kleinen Häppchen genießen und sich für Artenschutz und Naturphilosophie begeistern können.



