»Alles stand in lebhaften Bildern vor meinen Augen. Doch entsprangen diese Bilder der Realität - oder der Phantasie?«
»Ich zweifelte an mir. Alles stand in lebhaften Bildern vor meinen Augen. Doch entsprangen diese Bilder der Realität - oder der Phantasie? Die Unsicherheit bedrückte mich.« Hannes wächst in der DDR auf, verachtet seinen Vater, den er nur als Bohn oder Nennvater bezeichnet und versucht bereits als Jugendlicher einen Fluchtversuch in den Westen. Getrieben wird er von der Vorstellung, dass Ernst Bloch – der in Tübingen wohnt und mit seiner Familie verbunden ist – sein wirklicher Vater sein könnte. Er bemerkt, was er richtig gut kann – malen. So führt eines zum anderen und er wird Kunstfälscher für die Stasi. Im Verlauf weiterer Jahre begegnet ihm immer wieder sein Schulkamerad Lutz, setzt ihn unter Druck des Regimes und gibt Hannes immer wieder Kostproben davon, dass er rein gar nichts vor ihm und vor der Stasi geheimhalten kann. Nach dem Fall der Mauer, Gefängnis- und Psychiatrieaufenthalten, weiß Hannes gar nicht mehr, wer er wirklich ist und auch Episoden seines Lebens verwischen zwischen Traum und Wirklichkeit. Das Buch beginnt – für mich überraschend – in ziemlich direkter, fast schon rotziger Sprache, die mich an Grass‘ „Die Blechtrommel“ erinnerte. Trotz anfänglicher Verwirrung der Sprache, fand ich meinen Zugang zu dieser und sie gefiel mir immer mehr, weil sie einfach zu dem Roman passt! Der Roman ist ein Vexierspiel zwischen Geschichte, erlebter Realität und fantastischen Träumen. Er schildert ein tragisches Schicksal der DDR, das sich immer mehr in sich selbst sowie innerhalb des unterdrückenden Machtsystems widerspiegelt. Schlussendlich bleibt die Frage, die jede*r selbst für sich beantworten muss: Ist dieser Roman schlichtweg genial oder eher überflüssig?

