31. Jan.
Bewertung:5

Lesen 💙🩵!!!

„Wir müssen eigentlich unser eigener Anker sein“ (S. 97) Eliza arbeitet in Stavanger am Institut für Schlaflosigkeit und möchte wie so viele andere Forscher dem Mysterium des „Nichtschlafens“ auf den Grund gehen. Ihr Gebiet ist ein überaus interessantes, denn sie stellt sich die Frage: Wie wirkt sich die Partnerschaft auf das eigene Schlafverhalten aus? Denn seit sie mit Andreas liiert ist, schlägt sie sich immer öfter die Nächte um die Ohren und kommt kaum zur Ruhe. Um schlafen zu können hört sie sich Vogelstimmen über Kopfhörer an. Wie es ihr Vater früher tat. Hat es damit zu tun, dass die Welt sich immer schneller dreht und die Alltage zunehmend hektischer werden? Und wenn dem so ist, wie bekämpft man diese zunehmende Schlaflosigkeit? „Nachtblüher“ ist ein so zärtlicher, liebevoller und kluger autofiktionaler Roman, der mir ausnahmslos gut gefallen hat und aus dem Herzen sprach. Vielleicht sind es meine Kindheitsparallelen zur Autorin @anandaserne . Wer weiß das schon 😉 🚢 Mit ruhiger Erzählstimme und nüchternen Art erleben wir die Ich-Erzählerin Eliza und ihre (Ver)Suche, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und einen Hafen in stürmischer See zu finden. „Als Schifferkind hatte ich lange Zeit ein romantisches Bild vom Umziehen. Ich dachte, ich würde an neuen Orten ganz von selbst Freunde finden. Auch mein Vater hatte diese Beweglichkeit im Blut.“ (S. 20) Ihre verschlossene Art ist ihr nicht immer hilfreich und als Andreas sich von ihr trennt, reist sie zu ihrem Bruder Kasper nach Taipeh. Immer mit einer großen Unruhe im Herzen. Ob sie es in Taiwan aushält und wie es dazu kommt, dass sie eine Schlafwächterin in einer der geheimnisumwobenen Schlafkliniken wird, solltet ihr selber lesen.

Nachtblüher
Nachtblühervon Ananda SernéWeissbooks
31. März
Bewertung:4

Kurzes, kleines, schnelles Buch über das Schlafen und ob man immer einen „Anker“ im Leben braucht.

Ich finde, dieses Buch und die Story generell haben so viel cooles und kreatives Potential. Vor allem die Schlafwächter und die „Schlummerkliniken“. Daraus hätte man so viel mehr machen können. Irgendwas spannendes und dystopisches, aber es wird nicht vollständig erklärt und vor allem nicht zu Ende erzählt. Generell fühlt sich das Buch kurz und unfertig an. Ich hätte noch gute 100-200 Seiten lesen können. Im Grunde geht es um Eliza, die der Liebe wegen von den Niederlanden nach Norwegen zieht. Und die eine Kindheit auf einem Frachtschiff hinter sich hat. Also nie irgendwo Wurzeln schlagen konnte und wollte. Die Beziehung zerbricht, der Job ist langweilig, Freund*innen hat sie kaum bis keine, ihre Familie ist über die halbe Welt verstreut. Und all das bereitet ihr Schlafstörungen. Zurecht. Das Schlaftagebuch bei ihrem Arzt, ihre Auszeit in Taiwan mit der kleinen zarten Beziehung dort, ihre Ausbildung als Schlafwächterin, ihre Trennung von Andreas, ihre Beziehung zu Mutter und Bruder. In all dem hat noch so viel Kreativität und Potential gesteckt, aber es wurde alles nicht auserzählt und einfach im Handlungsstrang abgebrochen. Das fand ich sehr schade. Also ein Buch, was sich sehr schnell wegliest - auch durch die kurzen Kapitel mit den verschiedenen Textarten und dem einfachen, natürlichen Schreibstil. Aber mit zu vielen nicht auserzählten Handlungssträngen (die durchaus mehr hergegeben hätten).

Nachtblüher
Nachtblühervon Ananda SernéWeissbooks