1. Okt.
Bewertung:5

"O" der A-Z Challenge "Als ich kam, ließ Annie mich zurück; sie gab mich dorthin, woher sie kam und wovon sie wegging, sie gab mich zu Antonia, beide gaben sie mich zu den Kühen. So begann meine Geschichte, mit dem Öffnen meiner Augen unter einer Kuh." "Man wollte erziehen, oder zähmen, das kommt aufs Gleiche raus. Alles musste gezähmt werden. Oder wenigstens abgehalten werden und seinem eigenen Willen. Tiere, Kinder, Frauen. Wer danach noch ganz blieb, war mindestens zweigeteilt. In jedem Fall aber selbst schuld." "Wir waren zwei verschiedene Lebewesen, doch es trennte und nicht. Es machte uns nicht einsam. Einsam zu sein schien vielmehr etwas, das nur unter Menschen geläufig war." "Ich weiß, die einen nennen es Natur, die anderen Tradition. Ich glaube, es ist Sadismus." Die junge, angehende Philisophin Agnes kehrt auf den Hof in den Dolomiten zurück. Zurück in ihr Heimatdorf, zurück in ihre Kindheit, die sie erzählt. Da ist "Pirat", ihre geliebte Hündin, die ihr eine treue Gefährtin während des Sommers mit den Kühen auf der Alm war. Da sind die Kühe, die diesen Sommer genauso genossen und beim Abtrieb in die oft gewaltsame Realität zurückgestoßen wurden. Da ist ihre Tante Antonia, bei der sie aufwuchs und die das bäuerliche System immer verteidigt hat, sie hat Agnes' Liebe zu den Tieren nie gelten lassen. Kurz zuvor wurde sie in die Psychiatrie eingeliefert, nachdem alle Tiere abgeholt wurden. Was für ein Buch! Virtuos geschrieben, dabei schonungslos und ehrlich. Wäre dieses Buch ein Film, hätte ich mir doch so manches Mal die Augen und Ohren zuhalten müssen. Eine unbedingte Leseempfehlung von mir ☀️

Unter Tieren
Unter Tierenvon Maxi ObexerWeissbooks
22. Juni
Bewertung:5

Berührend und etwas zum Nachdenken!

Es war mein erste Buch von Maxi Obexer und ich will unbedingt weiteres von ihr lesen. Ganz überraschende Erzählweise und man taucht sehr schön die Gedanken der Figur ein. Mehr möchte ich auch nicht verraten, da es ein kurzes Buch ist. Ich möchte dieses Buch auf jeden Fall noch einmal lesen und vielleicht im Winter mit warmen Tee.

Unter Tieren
Unter Tierenvon Maxi ObexerWeissbooks
30. Mai
Bewertung:5

Eines vorweg, ich schaffe es in meiner Rezension nicht, diesem großartiges Buch gerecht zu werden. Antonia hat ihr ganzes Leben auf dem Bauernhof verbracht. Sie war die erste Tochter und damit die erste Magd ihrer Mutter. Von klein auf musste sie mit anpacken. Still ihre Pflichten erbringen und die Tiere versorgen. Jetzt, Jahrzehnte später lebt sie allein auf dem Hof dessen Bewirtschaftung nicht mehr den modernen Hygienestandarts entspricht. Die Tiere kommen weg und damit auch der Lebensinhalt von Antonia. Als Agnes,ihre Nichte informiert wird, hatte man Antonia in die Psychiatrie gebracht. Bei einem Besuch von Agnes in der Klinik, kommen ihr all die Erinnerungen wieder in den Sinn, denn auch sie ist auf diesem Hof aufgewachsen, abgeschoben von ihrer Mutter, der Schwester von Antonia. Und dieser Rückblick hat immer mit den Tieren zu tun, bei denen sie Zuflucht und Wärme fand. Der Sau zu der sie sich legte wenn sie Trost brauchte, oder auch zu den Kühen. Dann die wunderbaren drei Monate, die sie zusammen mit Pirat, ihrer Hündin, und den Kälbern allein auf der Alm verbringen durfte. Wer jetzt denkt, was für ein schöner, romantischer Roman, hat sich geschnitten. Denn das Leben auf einem Bauernhof ist meist weit entfernt von Tiere streicheln und Idylle. Das Patriarchat herrscht, der Rest hat zu folgen. "Man wollte erziehen, oder zähmen, das kommt aufs Gleiche raus. Alles musste gezählt werden. Oder wenigstens abgehalten werden von seinem eigenen Willen. Tiere, Kinder, Frauen. Wer danach noch ganz blieb, war mindestens zweigeteilt." Es kommen grausame Szenen, die ich kaum ertrage. Und auch Agnes kommt an ihre Grenzen, muss Schlimmstes mit ansehen, kann und darf nicht eingreifen. Die Tiere die ihr so viel geben und deren Charaktere sie in der intensiven gemeinsamen Zeit kennenlernen durfte, zählen nicht, wenn man von deren Haltung leben muss. Und die die nichts einbringen sind nichts wert. Es ist ein Buch welches aufrüttelt! Und das muss so sein. Wir alle müssen unser Handeln überdenken. Wie gehen wir mit anderen Lebewesenum, egal ob Mensch, Tier oder auch Pflanze. "Ich weiß, die einen nennen es Natur, die anderen Tradition. Ich glaube es ist Sadismus." Dies st kein Wohlfühlroman. Ich habe in unheimlich bewegt, besorgt, entsetzt und zwischendurch beglückt gelesen. Große Leseempfehlung für alle die auch Tierquälerei aushalten können, wenn es im Kontext des Buches um genau das Gegenteil geht. Und so möchte ich schließen mit einem Zitat von Christian Morgenstern, das diesem Roman vorangestellt wurde. "Ganze Weltalter voll Liebe werden nötig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten."

Unter Tieren
Unter Tierenvon Maxi ObexerWeissbooks