Pillion
England, 1975: Der 18-jährige Colin verbringt seinen Geburtstag am Box Hill, einem beliebten Treffpunkt der Motorradszene südlich von London. Fasziniert beobachtet er die selbstbewussten Männer in Lederkleidung – bis er Ray begegnet. Der deutlich ältere Biker zieht Colin sofort in seinen Bann und verändert dessen Leben von Grund auf. Mit Ray erlebt Colin nicht nur seine erste große Liebe, sondern taucht auch in eine Welt aus Leidenschaft, Kontrolle und Abhängigkeit ein. Schon kurz nach ihrem Kennenlernen zieht er bei ihm ein, und aus der anfänglichen Faszination entsteht eine jahrelange Beziehung, in der Nähe und Unterwerfung immer stärker miteinander verschwimmen. 3,5 ⭐️✨ für Box Hill Dieses Buch war für mich gleichzeitig faszinierend, verstörend und unglaublich anstrengend. Adam Mars-Jones erzählt die Geschichte von Colin und Ray in den 70ern auf eine sehr rohe, direkte Art – voller schräger Dialoge, britischem Humor und Momenten, bei denen ich nicht wusste, ob ich lachen oder den Kopf schütteln soll. 😅. Schon auf der ersten Seite hab ich erstmal geschockt durchatmen müssen und mich gefragt ob ich gerade richtig gelesen habe. Besonders spannend fand ich, wie Colin sich immer mehr in Rays Welt verliert. Anfangs wirkt ihre Beziehung fast charmant-chaotisch, aber je weiter die Geschichte geht, desto deutlicher wird das Machtgefälle zwischen den beiden. Genau das hat mich gleichzeitig neugierig gemacht und emotional auf Distanz gehalten. Dass Colin am Ende erkennt, wie sehr er sich selbst für diese Beziehung verbogen hat, war wahrscheinlich der stärkste Teil des Buches. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte emotional nie komplett bei mir angekommen ist. Viele Szenen wirkten absichtlich kühl oder absurd, wodurch mir die echte Verbindung zu den Figuren gefehlt hat. Der Schreibstil ist definitiv besonders – intelligent, bissig und stellenweise fast schon theaterartig. Aber genau das macht das Buch auch sperrig. Für Fans von ungewöhnlicher LGBTQ+-Literatur und literarischen Charakterstudien könnte das richtig gut funktionieren. Ich persönlich hätte mir aber mehr emotionale Tiefe gewünscht. Fazit: Interessant, eigenwillig





