
Diese Rezension zu schreiben fällt mit wirklich schwer, weil ich nichts schlecht reden möchte - schon gar nicht die eigene Geschichte einer Person - aber ich muss da ehrlich bleiben, sonst wäre es allen anderen AutorInnen gegenüber nicht fair!
„Lebenshungrig“ von Laura Pape „Ich habe dieses Buch geschrieben, um all denen Mut zu machen, die selbst unter einer Essstörung leiden und keinen Ausweg mehr sehen. Kämpft! Es ist nie zu spät, das Leben wieder zuzulassen - und das Leben kann so schön sein! Außerdem möchte ich allen Angehörigen näherbringen, was es wirklich heißt, magersüchtig zu sein. Es steckt mehr dahinter als nur ein niedriges Gewicht. (…)“ Das waren Lauras eigene Worte im Prolog des Buches und sie klangen für mich erstmal vielversprechend, aber wenn das ihr Ziel des Buches war, muss ich leider sagen, dass sie dieses meiner Meinung nach traurigerweise komplett verfehlt hat. In erster Linie erschien mir ihr Buch als 1:1 Anleitung um in die Magersucht zu rutschen mit Abnehmanleitungen, Ernährungsplänen, ständigen Kalorien- und vor allem Gewichtsangabe, natürlich mit zusätzlicher Größenangabe und BMI-Umrechnung, vielen Beschreibungen und Tipps wie man sein Umfeld komplett verarschen, Essen verstecken und bei Mahlzeiten sowie dem Gewicht schummeln kann. Natürlich ist all dies Teil des Krankheitsbildes, aber es erschien mir doch häufig eher selbstdarstellerisch und als wäre da mehr Stolz als Reflektion. Nach dieser sehr langen Beschreibung des Weges IN die Magersucht erschien ihre plötzliche Heilung im Vergleich wie ein Zweizeiler. Tipps, die sie laut eigenen Angaben als nicht hilfreich sondern verwerflich empfindet, waren am Ende doch ihr eigenes Wundermittel „Einfach essen“, „Einfach vor den Spiegel stellen und sich schön finden“, „Es muss einfach Klick machen“, „Man muss es einfach nur wollen“. Mir als selbst Betroffene hat das Buch keinerlei positiven oder hilfreichen Input gegeben oder mir irgendwie Mut gemacht. Zum Glück hat es mich aber auch, trotz sehr vieler Zahlen, nicht wirklich getriggert, da ich trotz (noch) aktiver Essstörung vieles mittlerweile rational sehen und verstehen kann (nach über einem Jahrzehnt Magersucht), allerdings denke ich, dass es für andere Betroffene LeserInnen durchaus gefährlich sein könnte. Gut fand ich hingegen, dass auch ihr Umfeld (Familienangehörige und Freunde) öfter mal zu Wort kamen und ihren Eindruck von ihr schilderten. Inwiefern ihr Buch für Außenstehende oder Angehörige hilfreich ist das Krankheitsbild Anorexia Nervosa nachzuvollziehen, kann ich als Selbstbetroffene natürlich nicht beurteilen, würde aber meinen, dass es in erster Linie sehr viele Klischees bedient und nicht den wahren Tiefgang, die Komplexität und die Hintergründe einer Essstörung aufgreift. Long Story short: Leider bekommt das Buch von uns sehr wenig Sterne und diese auch nur für die flüssige Lesbarkeit und das zu Wort kommen der Angehörigen.





