31. Dez.
Bewertung:5

Ah, ça ira, ça ira, ça ira Les aristocrates à la lanterne Ah, ça ira, ça ira, ça ira Les aristocrates, on les pendra! So lautet ein Teil eines unter den französischen Revolutionären sehr beliebten Liedes. Ein Lied, das ihre Gräuel zelebriert und rechtfertigt. Die französische Revolution ist allerdings bis heute auch eng mit dem Namen Sanson verbunden. Von Generation zu Generation tragen die Männer der Familie den Titel des „Monsieur de Paris“, des Scharfrichters. Davor gibt es auch kein Entrinnen, denn es gilt stets die Maxime: „Ein Sanson wird nichts anderes als ein Henker.“ Dieses Buch führt durch die Höhen und Tiefen, die dieser Name mit sich führt. Angetrieben durch Frankreichs bewegte Geschichte. Ich war begeistert und blättere auch nach dem Abschluss immer wieder gerne darin.

Der Henker von Paris
Der Henker von Parisvon Claude CueniLenos Verlag
8. Apr.
Bewertung:2

Uff, also...anfangs kam ich mit dem Schreibstil überhaupt nicht zurecht, was mich ehrlich gesagt verwunderte, da mir "Das große Spiel" vom gleichen Autor super gefiel. Die Sätze folgten einfach aufeinander. Ein Hauptsatz, meist bestehend aus Subjekt, Prädikat & Objekt & Punkt. Und das immer wieder. Es kam mir vor, als hätte ein Kind dieses Buch geschrieben. Ich hatte es daraufhin zur Seite gelegt, um ein wenig Abstand zu bekommen und so zu hoffen, dass mir das nicht mehr so auffällt. Ich weiß gar nicht wieso, aber vermutlich war das Buch, das ich davor gelesen habe, sprachlich eeeetwas anspruchsvoller. Der Stil ändert sich in der Zeit auch nicht, aber man gewöhnt sich dran. Zur Geschichte...habe ich mir mehr erwartet. Man erfährt eigentlich ziemlich wenig über seinen Beruf, über den berühmtesten Henker in der frz. Geschichte. Nur die Hinrichtung von Damiens zog sich über 30 Seiten und war bestialisch. Ich habe nicht damit gerechnet, dass jede Hinrichtung vorkommt, aber es wurde alles mit so einer Distanz geschrieben, dass ich mit keinem Charakter zurecht kam. Der Schreibstil ist auch sehr flott, da habe ich mir sehr häufig die Ausführlichkeit wie beim großen Spiel gewünscht. Es war ein reinster Galopp, über 30 Jahre Henkergeschichte wurde in nur knapp 400 Seiten ausgebaut, dazu eine seltsame Liebesgeschichte eingefügt, damit man sieht, dass auch ein Henker zur Liebe fähig ist. What? Und was mich auch sehr gestört hat, war die falsche Darstellung von Louis XVI. Manche Dinge haben gestimmt, aber die Behauptung, er habe sein Volk nicht geliebt, gar verachtet, weise ich entschieden zurück. Insgesamt kam mir Louis' Porträt hier wenig recherchiert vor, als hätte er nur auf die Oberfläche geguckt und keinen Blick hinter die Kulisse gewagt. Als hätte er sich wenig mit der Person befasst, was für mich gar nicht geht, da die Person gerade in diesem Zeitraum der Geschichte eine der Hauptpersonen war. Ich hatte gesagt, dass Cronins Biografie zu dem Monarchen sehr positiv ausfiel, aber trotzdem hätte Cueni sich diese Biografie für seine Recherce zur Gemüte führen müssen. Cueni war zudem an Krebs erkrankt, vielleicht hat das seinen Schreibstil beeinflusst. Ich habe von dem Autor, von dem mir "Das große Spiel" so gut gefiel, wirklich besseres erhofft. Ich wurde doch enttäuscht. Aber da ich mir nicht ganz sicher bin, ob das jetzt eine "Gefiel mir gar nicht"-Bewertung ist oder eine "Es ging so", habe ich aufgerundet. Aber ich würde es nicht empfehlen. Selbst wenn man sich für Charles Sanson interessiert, viel erfährt man über die Person auch wieder nicht.

Der Henker von Paris
Der Henker von Parisvon Claude CueniLenos Verlag