2. Juni
Bewertung:4

📚 Inhalt Die Corona Pandemie hat uns deutlich gezeigt, dass die Pflege krank ist. Das Gesundheits- und Pflegesystem steckt in einer grossen Krise und es ist das Problem von uns allen. Der Pflegenotstand betrifft und alle und der Autor zeigt mit konkreten Fakten und Beispielen auf, wie man das System verändern und verbessern könnte. 📖 Meinung Mit seinem Buch spricht der Autor ein massives Problem unserer Gesellschaft an: der Pflegenotstand. Und obwohl die Situation bereits vor der Pandemie bekannt war, wurde sie durch die Pandemie doch in einen sehr prominenten Fokus gerückt, denn plötzlich hat die ganze Welt auf den Gesundheitssektor geschaut. Und was hat die Bevölkerung daraus gemacht? Sie haben geklatscht für das Gesundheitspersonal. Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe dieses Ereignis selbst einmal erlebt, als ich Dienst hatte und es hat mir eine Gänsehaut verschafft. Aber was hat es mir oder uns gebracht? Nichts. Wir haben für 2 Minuten Wertschätzung erfahren und das wars dann auch. Einige Pflegende haben eine Bonusprämie oder Gutscheine bekommen. Ich bekam von meiner Arbeitgeberin einen 300 Franken Gutschein. Klar habe ich das Geld gern genommen, aber kann ich das mit den unzähligen Überstunden, dem permanenten Einspringen und Dienste abdecken, der massiv erhöhten Arbeitsbelastungen und dem psychischen Druck aufwiegen? Kein bisschen. Die Coronapandemie war in dem Sinne «gut», dass der Pflegenotstand den Weg in die Medien gefunden hat. Ich denke, die Pandemie hat in der Schweiz auch die Pflegeinitiative massiv befeuert, sodass diese mit einem phänomenalen Ergebnis angenommen wurde. Doch auch hier stelle ich mir wieder die Frage, was es gebracht hat. Damals hatte ich tatsächlich Hoffnung, dass sich etwas verändert. Dass die Politik eingesehen hat, dass die Pflege ein systemrelevanter Beruf ist und bessere Arbeitsbedingungen benötigt. Doch das waren Hirngespinste. Ich bin sehr überrascht, wie schnell nach der Pandemie die Normalität eingekehrt ist und Corona praktisch vergessen wurde. Die Gesellschaft weiss nicht, wie viele Pflegende noch unter der Pandemie leiden, damit, was sie tun mussten oder was sie erlebt haben. Mir fallen direkt einige Beispiele ein, die mich immer noch nicht losgelassen haben. Und scheinbar hat es auch die Politik schon wieder vergessen. Seit der Pandemie ist praktisch nichts passiert. Das grösste Problem unserer Gesundheitspolitik ist der Profit. Man sollte mit der Krankheit und dem Leid der Menschen keinen Profit erzielen dürfen und doch verdienen sich die CEO’s der Gesundheitseinrichtungen jedes Jahr eine goldige Nase. Die Pflege ist krank und alle schauen weg. Das System wird früher oder später zusammenbrechen. Die Pflegenden laufen am Limit. Gutensohn bringt die Probleme und mögliche Lösungsansätze konkret auf den Punkt. Für mich ein unfassbar wichtiges Buch. Doch nicht nur für mich. Für uns alle, denn gute Pflege betrifft und alle.

Pflege in der Krise
Pflege in der Krisevon David GutensohnAtrium Verlag AG