9. Dez.
Bewertung:4

Man kann die düstere Stimmung förmlich riechen.

Galveston war für mich ein reiner Glücksgriff. Zuvor hatte ich von dem Roman nichts gehört. In meiner Bücherei des Vertrauens, fand ich es schließlich in einer Kiste liegend. Gegen eine 5 Euro Spende durfte ich es mitnehmen. Der Klappentext, das Cover und schließlich die Info, dass der Autor auch Autor der Serie -True Detectives- ist, hat mich direkt überzeugt. Zum Buch: Mich hat das Buch durchgehend unterhalten. Die detaillierte Beschreibung der jeweiligen Atmosphäre/Stimmung/Gefühle/Landschaft/Gerüche fand ich unfassbar faszinierend. Ich wurde förmlich in die Geschichte gesogen. So intensiv habe ich es noch bei keinem anderen Roman erlebt. Ich habe Roy, Rocky und Tiffany richtig in mein Herz geschlossen. Die Story ist gut und spannend erzählt. Zur Mitte hin empfand ich ein paar Längen. Dennoch wollte ich immer wissen, wie es nun weitergeht. Das Ende hat mich umgehauen. Mehr möchte ich nicht verraten. Insgesamt vergebe ich gutgemeinte 4 Sterne. :) Ebenfalls wusste ich nicht, dass der Roman sogar verfilmt wurde und bei Amazon Prime kostenlos zum streamen verfügbar ist. Heute Abend wird direkt der Film geschaut. Ich bin sehr gespannt. Ergänzung: Nachdem ich den Film gesehen habe und dieser mich sehr aufgewühlt hat, habe ich meine Meinung geändert und gebe dem Roman nun 4 Sterne. Der Film war sehr gut, kommt den Emotionen und der Atmosphäre im Roman aber nicht im Ansatz ran. Daraufhin habe ich gemerkt, dass das Buch mich komplett in seinen Bann gezogen und fasziniert hat. Galveston wird lange in meinem Kopf bleiben.

Galveston
Galvestonvon Nic PizzolattoWALDE + GRAF bei Metrolit
13. März
Bewertung:3.5

Nic Pizzolatto, der Schöpfer von der Krimi Serie „True Detective“, liefert mit „Galveston“ einen harten, düsteren Noir-Roman, der seine Leser in die Schattenseiten des amerikanischen Südens führt. Ein Buch, das weniger von Hoffnung erzählt als von unausweichlichem Scheitern – und genau darin seine Kraft findet. Pizzolatto bewegt sich mit „Galveston“ tief im Noir-Genre, das von fatalistischen Geschichten lebt, in denen die Hauptfiguren oft von Anfang an verloren sind. Seine Protagonisten Roy Cady und Rocky sind gezeichnet von einer Welt, die ihnen keine Chancen bietet. Roy, ein Auftragskiller mit einer düsteren Vergangenheit und einer tödlichen Krebsdiagnose, und Rocky, eine junge Frau, die aus ihrem bisherigen Leben fliehen will, klammern sich an eine vage Vorstellung von Zukunft – auch wenn sie tief in ihrem Inneren wissen, dass es kaum Hoffnung gibt. Genau diese trostlose Atmosphäre macht den Reiz des Romans aus: Der Versuch, der eigenen Verdammnis zu entkommen, wird zu einer Reise, die unausweichlich in die Dunkelheit führt. Dabei schafft es Pizzolatto, ein ebenso atmosphärisches wie authentisches Bild der 1980er-Jahre zu zeichnen. Keine romantisierte Rückschau, keine nostalgische Verklärung, sondern eine Welt aus billigen Motels, heruntergekommenen Bars und Existenzen am Rand der Gesellschaft. Die Figuren scheinen an den American Dream zu glauben, aber dieser Traum ist für sie nichts weiter als eine Illusion. Sie sind gestrandet in einer Realität, die kein Mitleid kennt – und gerade dadurch wirkt der Roman so glaubwürdig. Besonders beeindruckend ist Pizzolattos Stil: Sein Schreiben ist präzise, hart und bildhaft, fast schon filmisch. Man spürt die Hitze des Südens, riecht den abgestandenen Alkohol, hört das Summen der Neonlichter über den trostlosen Straßen. „Galveston“ liest sich wie ein Film – nicht wie ein modernes Hochglanzprodukt, sondern wie ein klassischer Noir-Thriller, der seine Wirkung aus Atmosphäre und Charakteren zieht. Es ist genau diese Qualität, die das Buch so unterhaltsam macht: Man taucht in diese düstere Welt ein und erlebt sie intensiver, als es eine Netflix-Serie je schaffen könnte. Dennoch bleibt der Roman für mich kein literarisches Meisterwerk. Er funktioniert großartig als Genre-Werk, bietet aber keine überraschenden Wendungen oder eine besonders tiefgehende neue Perspektive. Wer Noir liebt, wird mit „Galveston“ genau das bekommen, was er erwartet – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für mich ist das Buch damit eine starke Lektüre, die ihr Genre perfekt bedient, aber kein herausragendes Kunstwerk. Trotzdem bleibt es äußerst lesenswert, denn selten fühlt sich Scheitern so stilvoll an. 3,5 Sterne.

Galveston
Galvestonvon Nic PizzolattoWALDE + GRAF bei Metrolit
27. Juni
Solider Krimi Noir
Bewertung:4

Solider Krimi Noir

"Galveston" lag bereits seit über fünf Jahren auf meinem SuB. Eigentlich schade, dass es dort so lange versauerte, denn das Buch konnte mich gut unterhalten und ist mit nur 235 Seiten der perfekte Kriminalroman für zwischendurch. Erzählt wird die Gangster Geschichte aus der Ich-Perspektive von Roy Cady, was mir gut gefiel, da ich mich auf diese Weise recht schnell auf den Protagonisten einlassen konnte. Und obwohl Roy kein Vorzeigebürger ist, war er mir von Anfang an sympathisch, vermutlich auch, weil ich generell eine kleine Schwäche für Antihelden und Antagonisten habe. Nic Pizzolattos Schreibstil ist sehr detailreich, wodurch ich die Schauplätze in Louisiana und Texas sowie die einzelnen Szenen beim Lesen gut vor Augen hatte. Auch an Brutalität wird hier nicht gespart. Zuweilen hätte die Erzählweise jedoch noch etwas flüssiger und die Kapitel ein wenig kürzer sein können. "Galveston" besticht meiner Meinung nach insbesondere durch die Charaktere und die düstere, melancholische Atmosphäre. Kein Highlight, aber ein solider Krimi Noir, der durchaus lesenswert ist.

Galveston
Galvestonvon Nic PizzolattoWALDE + GRAF bei Metrolit
23. Sept.
Bewertung:4

Nachdem ich das Buch beendet hatte, musste ich erst einmal den dicken Kloß hinunterwürgen, der sich während des Lesens in meinem Hals gebildet hatte. Die Geschichte ist so authentisch und ehrlich wie es nur geht, um nicht zu sagen brutal, blutig, direkt. Schon nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, abgestandenen Zigarettenrauch und Alkoholfahnen zu riechen, muffige Motelluft zu atmen und die Welt durch den öligen Südstaatendunst zu erblicken, während der Geschmack des Versagens und der Verzweiflung pelzig auf der Zunge liegt. Hier wird nicht lang Federlesen gemacht. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt - friss oder stirb. Und wenn du es frisst, sei versichert, es liegt dir schwer im Magen. Definitiv nichts für zart Besaitete, allerdings genau richtig für mich und maßgeschneidert für meine aktuelle Stimmungslage.

Galveston
Galvestonvon Nic PizzolattoWALDE + GRAF bei Metrolit