Das Buch lebt nicht von großen Plottwists, sondern von Atmosphäre, Gedanken und Gefühlen zwischen den Zeilen.
Nach einer verheerenden Pandemie lebt Hig mit seinem Hund und einem ehemaligen Soldaten abgeschottet auf einem kleinen Flugplatz. Die Welt, wie sie einmal war, existiert nicht mehr. Während der Alltag vom Überleben geprägt ist, halten Erinnerungen, Hoffnung und die Sehnsucht nach menschlicher Nähe ihn weiterhin am Leben. Achtung: enthält Spoiler 😬 Ich finde, das Buch ist ein unglaublich ruhiger und gleichzeitig tiefer Roman. Die Endzeitstimmung war für mich von Anfang bis Ende permanent greifbar. Nicht übertrieben dramatisch oder komplett actiongeladen, sondern eher unterschwellig bedrückend. Dieses Gefühl von Einsamkeit, Stille und verlorener Welt zieht sich durch jede Seite. Besonders gefallen hat mir der Stil. Es gibt keine klassischen Dialoge und manchmal war ich tatsächlich kurz verwirrt, ob etwas gerade gesprochen oder nur gedacht wurde. Aber genau das passt eigentlich perfekt zu Hig selbst, weil auch er gedanklich ständig abschweift und zwischen Erinnerungen, Beobachtungen und Realität driftet. Sobald man diesen Stil nicht nur liest, sondern emotional versteht, wirkt das ganze Buch wie ein einziger innerer Monolog. Und genau dadurch fühlt sich die Geschichte unglaublich nah an. Das Setting war für mich sehr schnell klar und ich hatte die gesamte Zeit einen richtig starken inneren Film vor Augen. Die Mischung aus ruhigen und plötzlich sehr actiongeladenen Szenen hat für mich gut funktioniert. Es war nie zu viel in eine Richtung. Alles wirkte erstaunlich ausgeglichen und harmonisch, obwohl die Welt eigentlich komplett kaputt ist. Im Kern geht es für mich vor allem um Zwischenmenschlichkeit, Vertrauen und Hoffnung. Darum, warum Menschen überhaupt weitermachen. Aber auch darum, wie wichtig kleine Begegnungen oder einfache Gespräche plötzlich werden können, wenn fast nichts mehr übrig ist. Die Geschichte ist dabei erstaunlich clever geschrieben. Dieser trockene Humor und die gewisse Pfiffigkeit ziehen sich durch das ganze Buch und lockern die Schwere immer wieder auf, ohne sie kaputtzumachen. Und tatsächlich mochte ich alle Charaktere. Zu jedem konnte ich irgendwie Sympathie aufbauen, selbst wenn sie Ecken und Kanten hatten. Niemand wirkte komplett unnötig oder nur wie Mittel zum Zweck. Was mich allerdings gerade bei der Liebesgeschichte etwas gestört hat: Man merkt für mich schon deutlich, dass die Geschichte von einem Mann geschrieben wurde. Gerade die emotionale Ebene dieser Beziehung kam bei mir nicht komplett an. Ich kann zwar nachvollziehen, warum es so geschrieben ist und es passt grundsätzlich auch zu Hig als Charakter – aber irgendetwas daran fühlte sich für mich nicht ganz echt oder greifbar an 🙈 Grundsätzlich ist der Stil anfangs definitiv gewöhnungsbedürftig. Aber sobald man drin ist, entfaltet genau diese besondere Erzählweise ihre ganze Wirkung. Das Buch lebt nicht von großen Plottwists, sondern von Atmosphäre, Gedanken und Gefühlen zwischen den Zeilen. Für mich war das eine sehr stille, aber gleichzeitig emotionale Endzeitgeschichte.



