25. Aug.
Auf den Schreibstil muss man sich einlassen können.
Bewertung:3

Auf den Schreibstil muss man sich einlassen können.

📌 "Ein bisschen Charme kann nicht schaden, wenn man Ärger vermeiden will." (S. 5) Im Altenheim Les Cigognes fehlt frischer Wind. Das Personal ist knapp, die Freizeitangebote für die Heimbewohner sind mau. Vor allem das Hallenschwimmbad wird seit sechs Monaten nicht mehr genutzt. Da trifft es sich gut, dass Oscar, der Sohn der Altenheimbewohnerin Zette, ehemaliger Schwimmchampion ist und sie ihn gerne in ihrer Nähe haben würde. Ein Bewerbungsschreiben ist schnell verfasst. Natürlich nicht von Oscar sondern von Zette. Durch diese List kommt er zu seinem neuen Job in einem gänzlich anderen Wirkungskreis, als den, den er bisher gewohnt ist. Die teilweise eigentümlichen Senioren lassen sich mit Schokolade motivieren, aktiv an der Wassergymnastik teilzunehmen und auch Oscar selbst ist gutem Essen gegenüber nicht abgeneigt. Hier kommt Köchin Mauricette ins Spiel, die bald sein Herz erobert. Und dann ist da noch sein Sohn Anthony, dessen Zuneigung er nach Jahren der Distanz zurückgewinnen möchte, seine Tante Mu, die seit dem Umzug seiner Mutter Zette ins Heim sehr unglücklich ist und diverse andere Altenheimbewohner mit ihren Geschichten. Ich gestehe, ich bin eine Liebhaberin französischer Lektüre. Pluspunkt. Leider habe ich beim lesen dieses Buches oft Magenknurren gehabt, denn Mauricettes Kochkünste hätten mir durchaus auch in der Realität gut gefallen. Selbst in der Pflege tätig, bin ich mit den Marotten älterer Herrschaften sehr vertraut und fand diese in diesem Roman gut dargestellt, ohne dass sie ins lächerliche gezogen wurden. Grundsätzlich mochte ich sehr, wie hier mit diversen Themen umgegangen wurde. Trennung, Existensverlust, Leben im Alter, Tod, Homosexualität, Liebe im Alter, ... Was das angeht, ist dieses Buch sehr facettenreich. Lediglich der teils sehr nüchterne Schreibstil bereitete mir Schwierigkeiten und anfangs Probleme mich auf die Protagonisten und die Geschehnisse einzulassen. Wasserballetttage kommt ganz ohne reißerische Handlung daher. Die Story plätschert ruhig und gleichmäßig vor sich hin und am Ende klappt man das Buch zufrieden zu und ist immer noch hungrig nach französischem Gebäck 😉. Definitiv eine warmherzige Lektüre für lange Herbstabende.

Wasserballetttage
Wasserballetttagevon Julia MatteraEichborn