14. Jan.
Bewertung:3.5

Schwer zu bewerten

Dieses Buch wird als ein emanzipierter Liebesroman verkauft, doch so empfand ich ihn überhaupt nicht. Für mich war das eher ein Gesellschaftskritischer Roman mit politischen Einschlag. Ab der Hälfte des Roman begann erst die Affäre, die langsam zur Liebesgeschichte wurde aber ich empfand sie nie als Haupthandlung sondern immer eher im Hintergrund. Als Haupthandlung ging es eher um den Mann und wie er sich verändert, wenn er der Hundsgöttin (Geld und Macht) hinterher jagd. Er verliert seine Zärtlichkeit, heute würde man Verletzlichkeit sagen und da fand ich war D. H. Lawrence seiner Zeit vorraus und hat ganz richtig prognostiziert wie Männer sich entwickeln. Daher war für mich nicht Lady Chatterley die Heldin sondern Oliver Mellors - der trotz all seiner Männlichkeit etwas zartes und verletzliches hatte und sich nicht um Erfolg gescherrt hat, auch wenn die meisten ihn dadurch als feminin bezeichnet haben. Connie verliebt sich in ihn, die die Nase voll hat von den erfolgsheischenden Möchtegern Intellektuellen oder den Industriellen, wie ihren Mann. Das Sexuelle in diesem Buch ist nach heutigen Standards eher Bescheiden aber natürlich 1920 definitiv ein Skandal. Aber mit welchen Büchern kann man mehr Aufmerksamkeit erregen als mit Skandal, ich denke, dass war damals schon so. Und ich vermute, er wollte darauf Aufmerksam machen, dass Macht und Geld die Menschlichkeit zerstört.

Biblioteca Obscura: Lady Chatterleys Liebhaber
Biblioteca Obscura: Lady Chatterleys Liebhabervon arsEdition