„Der Getreue des Herzogs“ handelt von der Freundschaft zweier ungleicher Männer: Herzog Ulrich von Württemberg und dem Arzt Johannes Greiner. Ehrlich gesagt fällt mir die Bewertung dieses Romans schwer. Denn ja, er ist spannend, interessant und handwerklich gut gemacht. Aber er bietet nichts, was andere historische Romane aus der Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit nicht auch bieten würden. Über allem steht die eigenwillige Beziehung zwischen Ulrich und Johannes. Während Johannes sich als Arzt sehr für die ärmeren Bürger einsetzt und diese auch mal umsonst behandelt, ist Ulrichs Regentschaft von Zornesausbrüchen, überzogenen, teilweise auch grausamen Strafen und Verschwendungssucht geprägt. Das mag nicht recht zusammenpassen, dennoch sieht sich Johannes durch einen als Kind geleisteten Schwur Ulrich gegenüber verpflichtet. Daneben gibt es politische Ränkespiele und Intrigen, Liebschaften, einen grausamen Antagonisten, aber auch einiges an historischem Hintergrundwissen. Hier merkt man, dass Johanna von Wild auch einiges an Recherchearbeit geleistet hat. Besonders im Fokus steht hierbei die durch Luther, aber auch Zwingli herbeigeführte Reformation und deren Umsetzung im Herzogtum Württemberg. Vielleicht liegt es auch teilweise an mir und ich bin übersättigt von historischen Romanen, die oftmals das immer Gleiche mit unterschiedlichem Fokus bieten. Dennoch: „Der Getreue des Herzogs“ bricht nicht aus seinem Korsett aus, man kann fast sagen, es ist halt ein historischer Roman aus dem Mittelalter, bzw. der frühen Neuzeit. Wer in diesem Metier noch nicht so drin ist, könnte hieran Gefallen finden, wer aber schon einige Romane aus dieser Zeit gelesen hat, wird nichts Neues finden. Ich möchte nochmal betonen: Dieses Buch ist keineswegs schlecht. Es bietet mir persönlich nur zu wenig, um über eine durchschnittliche Bewertung zu kommen.
15. Jan.15. Jan. 2026
Der Getreue des Herzogsvon Johanna von WildGmeiner-Verlag
