
Ruhig, melancholisch und voller Figuren, die mir noch lange im Herzen bleiben werden
Nach Honigkuchen war das mein erster längerer Roman von Haruki Murakami und definitiv nicht mein letzter. Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, war der Schreibstil. Murakami schreibt unglaublich beschreibend und melancholisch. Teilweise ausschweifend, aber nie so sehr, dass es mich gestört hätte. Seine Sprache hat mich ganz sanft durch die Geschichte getragen. Oft hatte ich das Gefühl, mitten zwischen den Figuren zu stehen und sie ein Stück ihres Weges zu begleiten. Dazu kommt diese ruhige, fast schwebende Atmosphäre, die über der ganzen Geschichte liegt. Und obwohl das Buch viele schwere Themen behandelt, gibt es immer wieder humorvolle Momente, die alles auflockern. Die Geschichte lebt für mich vor allem von ihren Figuren. Keine von ihnen blieb mir gleichgültig. Alle sind mir auf ihre Weise ans Herz gewachsen. Gleichzeitig blieben viele von ihnen bis zum Schluss ein Stück weit rätselhaft. Selbst am Ende hatte ich nicht das Gefühl, sie vollständig zu verstehen. Genau das mochte ich. Mit Naoko habe ich am meisten mitgefühlt. Ihre Verletzlichkeit, ihre Einsamkeit und ihr innerer Kampf haben mich durch das ganze Buch begleitet. Ich hatte früh das Gefühl, dass ihre Geschichte keinen einfachen Weg nehmen wird. Midori war für mich ihr kompletter Gegenpol. Sie bringt Leben, Wärme und Energie in die Geschichte. Direkt, mutig, manchmal anstrengend und gerade deshalb so interessant. Besonders ins Herz geschlossen habe ich Reiko. Ihre Menschlichkeit, ihre Ehrlichkeit und ihre Gespräche gehören für mich zu den schönsten Momenten des Buches. Sie wirkt oft wie ein Anker zwischen all den Menschen, die auf ihre Weise mit Schmerz, Verlust und Einsamkeit kämpfen. Auch Hatsumi ist mir lange im Gedächtnis geblieben. Ihr Schicksal hat mich völlig unerwartet getroffen und zeigt für mich, wie stark Murakami selbst seine Nebenfiguren schreibt. Toru blieb für mich bis zum Ende schwer greifbar. Oft wirkte er eher wie ein Beobachter als wie jemand, der im Mittelpunkt steht. Für mich hat das aber perfekt zur Geschichte gepasst. Dieses Buch erzählt von Verlust, Liebe, Freundschaft, Erinnerung, Sehnsucht und dem Versuch, nach Schmerz weiterzuleben. Große Wendungen braucht es dafür nicht. Vieles wirkt ruhig und unspektakulär. Trotzdem wollte ich die ganze Zeit wissen, wie es weitergeht. Die oft diskutierten erotischen Szenen haben mich deutlich weniger gestört als viele andere Leser. Nicht jede hätte es für mich gebraucht und die Geschichte rund um die Klavierlehrerin und das Mädchen war mir zu ausführlich. Das war einer meiner wenigen Kritikpunkte. Insgesamt hat es mein Leseerlebnis aber nicht negativ überschattet. Das Ende musste ich erst einmal sacken lassen. Genau das hat mir gefallen. Nicht alles wird erklärt, nicht alles wird aufgelöst. Die letzte Seite beschäftigt mich noch und passt für mich perfekt zur Stimmung des gesamten Buches. Ich habe Naokos Lächeln nicht wegen der Handlung geliebt, sondern wegen der Menschen. Wegen der Gespräche, der Briefe, der Musik und der vielen kleinen Momente dazwischen. Dieses Buch ist leise, melancholisch und oft schmerzhaft schön.























































