Frausein in all seinen Widersprüchen
Was hat mir dieses Buch die Augen geöffnet. Obwohl sich die gesamte Geschichte um Natsuko dreht, möchte ich meine Kritik in die beiden großen Lebensabschnitte aufteilen, die auch das Buch voneinander trennt. Im ersten Abschnitt bekommt Natsuko Besuch von ihrer Schwester und deren Tochter. Die Schwestern hatten keine einfache Kindheit. Beide haben Gewalt erlebt und sich ins Leben gekämpft, bis ihnen irgendwann die Kraft ausging. Trotzdem erinnern sie sich unterschiedlich an ihre Vergangenheit. Besonders spannend fand ich Midoriko, die Tochter von Natsukos Schwester. Sie spricht nicht mehr mit ihrer Mutter, zieht sich zurück und schämt sich für deren lautes Auftreten sowie für die geplante Brustoperation. Gleichzeitig lesen wir ihre Tagebucheinträge, in denen sie mit ihrem sich verändernden Körper ringt. Die erste Periode, die Verunsicherung des Erwachsenwerdens und die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu werden, werden eindrücklich dargestellt. Hinzu kommt ihre schwierige Beziehung zur Mutter, die sie so belastet, dass sie sich selbst niemals Kinder wünscht. Dieser erste Abschnitt zeigt eindrucksvoll, wie viel Wandel, Erschöpfung und gesellschaftlicher Druck im Leben vieler Frauen steckt. Er macht deutlich, was passiert, wenn man einem Schönheitsideal hinterherjagt, obwohl die eigentlichen Probleme oft ganz woanders liegen. Mit dem zweiten Abschnitt hatte ich zunächst meine Schwierigkeiten. Es dauerte lange, bis ich wieder richtig in die Geschichte hineinfand. Umso schöner war es zu sehen, was aus Natsuko geworden ist. Sie schreibt wieder, hat erste Erfolge und wirkt hoffnungsvoller als zuvor. Besonders interessant fand ich, wie sie ihre Asexualität immer besser versteht und gleichzeitig erkennt, dass sie einen unerfüllten Wunsch in sich trägt: Mutter zu werden. Anfangs dachte ich, dieser Wunsch sei lediglich eine Reaktion auf gesellschaftlichen Druck. Doch genau mit dieser Frage spielt das Buch sehr geschickt. Mit jeder Seite wird deutlicher, dass Natsukos Sehnsucht aus ihr selbst heraus entsteht. Das Ende rund um die künstliche Befruchtung und die Geburt hat mich schließlich sehr berührt. Gerade Natsukos Gedanken und Beweggründe haben diesem Abschluss viel emotionale Tiefe verliehen. Zwar hätte ich mir gewünscht, einige Entwicklungsschritte von Natsuko noch ausführlicher mitzuerleben, doch insgesamt hat das für mich gut funktioniert. „Brüste und Eier“ erzählt davon, wie schwer es sein kann, eine Frau zu sein – unabhängig davon, ob es um gesellschaftlichen Druck, Erwartungen, Selbstbild, Mutterschaft oder die Wahrnehmung des eigenen Körpers geht. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und viele Fragen stellt, auf die es keine einfachen Antworten gibt.












































