Kurz zum Inhalt: Claire bietet zusammen mit ihrem Kollegen ein Wildniscamp für Gruppen an. Als nach einer Woche Camp der 16-jährige Janis bei ihrem Haus im Wald auftaucht, kämpft die Pädagogin mit sich und ihren Gefühlen. Denn beiden ist klar, dass eine besondere Verbindung zwischen ihnen ist. Es ist ein zartes Buch, das ganz wunderbar die Stimmung der Natur und die Gefühle der beiden Figuren einfängt. Zwischen Sehnsucht und Wünschen, Zweifeln und Ängsten, Verlangen und Distanz, richtig und falsch bewegen sich Claire und Janis und schleichen dabei fast wie Tiere umeinander herum. Sandra Hoffmann schafft es, eine gewisse Spannung aufzubauen, ohne ihren poetischen und leichten Schreibstil zu verlieren. Die Gedanken- und Gefühlswelt sowohl von Janis wie auch von der 42-jährigen Claire werden gut und anschaulich beschrieben. Besonders gefallen haben mir die Natur- und Waldbeschreibungen und wie Claire ihre Umgebung wahrnimmt.

Ein Spaziergang durch den Wald der weiblichen Ängste und Konventionen
Kaum ein Mann wird sich je Gedanken darüber machen müssen, wen er begehrt. Es war spannend Claire zu begleiten, mit ihr durch den Wald, die Natur und Gedanken zu wandeln. "Ich frage mich plötzlich, wie ich es wieder aus mir herausbekomme. Wie ich dich wieder aus meinem Kopf kriege, aus meinem Körper, aus meinem Haus: Du wirst da gewesen sein!" S.227
“Welche Verantwortung tragen wir für unser Verlangen?”
Zart. Zärtlich. Leise Zwischentöne und feine Beobachtung von Natur und inneren Landschaften.

😴😴😴
Hätte ich nur vorher die Leseprobe gelesen, dann wären mir sicher einige Seiten der zwanzig Prozent, die ich geschafft habe erspart geblieben.
Außergewöhnlich
Die Autorin hat hier einen sehr, sehr elektrisierenden Roman geschrieben. Eine Frau Anfang 40, die ihre Freiheit mag und ein Camp im Wald leitet und ein Haus am Wald hat, kämpft gegen und für das Begehren, das Verlangen eines sechzehnjährigen Jungen. Der Junge findet heraus wo sie wohnt und besucht sie, Wochen nach seinem Aufenthalt in dem Camp, und für sie beginnt der Kampf gegen all ihre Gefühle. Was bei Männern die älter sind und eine jüngere Freundin haben, leicht akzeptiert wird, ist doch umgekehrt in der Gesellschaft noch bei weitem nicht ebenfalls so. Bekloppt. 🙄 Hinzu kommt dass das Thema an sich erstmal ordentlich brisant ist - die Autorin aber ungeheur gelungen damit umgeht. Ich glaube noch nie eine Geschichte gelesen zu haben, die von Anfang bis Ende so vor (zwischenmenschlicher)-Spannung knistert. ⚡️ Ein Wunder, dass ich keinen elektrischen Schlag bekommen habe, beim Umblättern der Seiten. Das mag übertrieben klingen, ist es aber nicht. Man spürt dieses tiefe Begehren, ein urzeitliches Gefühl, das geweckt wurde, ein Verlangen nicht nur nach dem sexuellen Kontakt, sondern vor allem nach diesen Menschen. Den Körper. Den Geruch. Den Berührungen. 🥵 Das Buch knistert nur so vor Emotionen und Gefühlen, Verlangen und Begehren - das ist der Autorin auf beeindruckende und eindrucksvolle Weise gelungen. Der Schreibstil, oft knackig, wäre nicht so ganz meins, passte aber in Kombination mit dem was die Autorin schrieb und wie, hervorragend, sodass er perfekt zur Geschichte passte. 👌🏻 Wer hier jetzt spicy Szenen erwartet, wird enttäuscht, denn darum geht es hier keineswegs. Sondern darum, seinem ureigenen, unbändigen Verlangen nicht nachzugeben, nein zu sagen obwohl alles Ja schreit.




