14. März
Bewertung:4

Roh, kompromisslos und eindringlich – eine Geschichte über toxische Beziehungen und den Weg hinaus

**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch konfrontiert seine Leserschaft sehr direkt mit toxischen Verhaltensweisen. Schon zu Beginn wird deutlich, wie stark die Protagonistin unter der Dominanz und Machtausübung ihres Freundes leidet. Besonders erschütternd ist dabei, dass auch ihre Mutter diese Dynamik unterstützt und ihr vermittelt, sie müsse sich nur genug anstrengen, um für ihn perfekt zu sein. Eine Perspektive, die auf vielen Ebenen falsch ist und genau deshalb so erschreckend wirkt. Die Geschichte zieht uns tief in diese Abwärtsspirale hinein. Schritt für Schritt erleben wir, wie sich die Situation zuspitzt, aber auch, wie langsam ein möglicher Weg daraus sichtbar wird. Für meinen persönlichen Geschmack wird die Protagonistin auf diesem Weg zeitweise sehr abhängig von einem anderen Mann. Gleichzeitig ist genau das auch nachvollziehbar. Wer lange ohne echte Zuneigung lebt, greift oft nach jedem Rettungsanker, der sich bietet. Besonders berührt hat mich die liebevolle Art, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Trotz der schweren Themen gibt es Momente, in denen Wärme und Hoffnung spürbar werden. Dennoch bleibt das Buch konsequent in seinem Ton. Es ist roh, schonungslos und teilweise auch gewalttätig erzählt. Eine weichere Darstellung hätte vermutlich die Botschaft abgeschwächt, die hier transportiert werden soll. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, dass diese Geschichte für viele Leserinnen und Leser herausfordernd sein kann. Die dargestellten Situationen können triggern und verlangen emotionale Belastbarkeit. Gleichzeitig wirken die Perspektiven und Handlungen authentisch und in sich stimmig. Nicht alle Übergänge fühlten sich für mich ganz rund an. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Ruhe gewünscht, um das Gelesene selbst einordnen zu können. Dennoch bleibt der Gesamteindruck stark. Die Darstellung ist intensiv, eindringlich und sehr aussagestark. Besonders das Nachwort hat mich noch einmal tief bewegt. Es greift die Themen des Buches auf und lässt die Geschichte lange nachwirken. **** Empfehlung? ****
Für Leser*innen, die sich mit schweren, realistischen Themen wie toxischen Beziehungen und emotionaler Abhängigkeit auseinandersetzen möchten. Wer intensive Geschichten schätzt, die nichts beschönigen und eine klare Botschaft vermitteln, wird hier eine eindringliche und nachwirkende Lektüre finden.

Sag, dass du gehst
Sag, dass du gehstvon Susann Semboltolino media