Haarsträubende Aufzeichnungen von dem was in Auschwitz passierte und das sollte jeder lesen.
Diesmal habe ich ein Buch gelesen, das mich nicht nur nachdenklich, sondern tief erschüttert zurückgelassen hat. Ein Buch über den Zweiten Weltkrieg – genauer gesagt über Auschwitz. Und doch war es kein weiteres historisches Sachbuch, keine nüchterne Aufzählung von Fakten. „Sonderbehandlung“ von Philipp Müller ist ein Zeugnis. Ein Schrei. Eine Erinnerung, die sich weigert, leise zu sein. Philipp Müller hat das Konzentrationslager Auschwitz überlebt. Und er hat den Mut gefunden, seine Erlebnisse und Empfindungen niederzuschreiben. Was er schildert, ist kaum auszuhalten. Haarsträubend. Grausam. Unvorstellbar. Und trotzdem notwendig. Ich habe bereits viel über den Holocaust gelesen, viel gesehen, viel gehört. Ich dachte, ich wüsste, was dort geschehen ist. Doch dieses Buch hat mir schmerzhaft vor Augen geführt, dass es immer noch eine tiefere Ebene des Grauens gibt – eine, die man kaum begreifen kann, solange man sie nicht aus der Perspektive eines Überlebenden liest. Vor allem nicht aus der Perspektive eines Menschen, der im schlimmsten aller Orte eingesetzt war: in den Krematorien von Auschwitz. Was dort beschrieben wird, sprengt jede Vorstellungskraft. Die systematische Vernichtung, die Kälte, die völlige Entmenschlichung. Ich kann und will die Täter nicht Menschen nennen. Was sie sich ausgedacht haben, um andere zu quälen, zu töten oder langsam zugrunde gehen zu lassen, entzieht sich jeder Sprache. Und Philipp Müller war gezwungen, all das täglich mitzuerleben, zu ertragen, zu überleben. Gerade deshalb empfinde ich eine tiefe, ehrfürchtige Achtung vor diesem Mann. Dass ein Mensch all diese Grausamkeiten erleiden konnte und dennoch die Kraft fand, darüber zu berichten, ist kaum zu begreifen. Sein Buch ist nicht nur Erinnerung, sondern auch Mahnung: Das hier ist geschehen. Das hier darf niemals relativiert, verharmlost oder vergessen werden. Umso wütender hat mich das Ende seiner Geschichte gemacht. Dass Philipp Müller nach der Veröffentlichung seines Buches von rechten Elementen bedroht wurde, hat mich zutiefst erschüttert. Es ist, als hätte man ihn ein zweites Mal nach Auschwitz zurückgestoßen – diesmal nicht mit Uniformen und Lagertoren, sondern mit Hass, Leugnung und Gewaltandrohung. Diese Erkenntnis tut weh. Und sie macht klar, wie notwendig Bücher wie dieses auch heute noch sind. Neu und besonders bedrückend war für mich zudem die Erkenntnis, dass einer der SS-Leute, die in Auschwitz tätig waren, ganz in meiner Nähe – in Waldheim – zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Geschichte ist plötzlich nicht mehr weit weg, nicht abstrakt. Sie hat einen Ort, einen Namen, eine Nähe, die frösteln lässt. Die zentrale Aussage dieses Buches ist klar und unmissverständlich: Auschwitz war kein Unfall der Geschichte, kein anonymer Schrecken. Es war ein von Menschen geschaffenes System der Vernichtung – und genau deshalb liegt die Verantwortung des Erinnerns bei uns allen. Ich kann „Sonderbehandlung“ jedem empfehlen, der wirklich verstehen will, was in den Krematorien von Auschwitz geschehen ist. Aber ich sage es ganz deutlich: Dieses Buch ist keine leichte Kost. Es fordert, es verletzt, es bleibt. Man legt es nicht einfach beiseite – man trägt es mit sich weiter. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke.




