Düster, zynisch, tragikomisch
Dieses Buch ist vulgär, sprachgewaltig, humorvoll und wahnsinnig traurig. Dieses Werk wird als emanzipatorisch bezeichnet, aber so richtig kann ich diese Meinung nicht teilen. Eine junge Frau, gegängelt vom Islam (oder zumindest seinen Auslegungen) sehnt sich nach Veränderung und bekommt diese überraschend mithilfe eines Koffers, der vom Dach eines Busses fällt. Sie prostituiert sich - vor und nach Verlassen ihrer Familie. Für Joghurt, für einen Job, für Geld, für eine wackelige Unabhängigkeit. Und dies tut sie bis zum Ende, ist trotz allem immer noch abhängig von den mächtigen und weniger mächtigen Männern, denen sie begegnet. Und erfährt schließlich was passiert, wenn diese sich von ihr abwenden. Ihre Liebe zu Allah bleibt dabei beinahe unerschütterlich, gibt ihr Kraft. Sie ist stark, durchlebt und überlebt Unaussprechliches und behält dabei ihren Witz, mit dem sie auf sich und andere schaut. Ist Unabhängigkeit in so einer Gesellschaft überhaupt möglich, obwohl sie so doppelmoralisch ist? Männer machen hier die Regeln, an die sie sich selbst nicht halten, diese sogar regelrecht verhöhnen, deren Einhaltung sie bei den Frauen umso härter überwachen und Regelverstöße bestrafen. Diese Doppelmoral ist immer wieder Thema hier und wird von Jbara scharfzüngig und scharfäugig betrachtet. Ein gewaltiges und feministisches Werk, dass mich noch lange beschäftigen wird.
