5. Nov.
Bewertung:3

"Die Nacht hat viele Augen" erzählt eine Geschichte, die uns hinter die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen. Es ist alles geboten: Habgier. Eifersucht, Betrug. Anfangs ist der Stil noch etwas schwammig, man blickt nicht durch, bekommt den Eindruck vermittelt erst auf der letzten Seite das wichtigste Detail zu finden, was der Wahrheit auf die Schliche kommt. Dann steigt man endlich in die Geschichte ein und es wird ein Namensverwirrspiel gespielt, und ich weiß jetzt nicht mal zwischen den Namen zu unterscheiden. Raine wird von ihrer Mutter von A nach B geschleppt und wechselt ihre Namen wie Socken, was das "Wer-ist-wer-Spiel?" kompliziert macht - nicht nur für die weiteren Protagonisten. Während des Lesens bekommt man verschiedene Einblicke. Es gibt den offensichtlich barbarischen Onkel, einen sexbessenen, arroganten Sicherheitskerl, der seine Kameras überall hat und eine Frau, die selbst nicht zu wissen scheint wer sie ist. Mal völlig orintierungslos, hilflos, dann tough und undurchsichtig. Und das so schnell hintereinander, dass es fast schon unglaubwürdig wirkt. Die Palette der Charaktere war sehr weit gesteckt und lässt sich schwer beschreiben. Es gibt keine klare Grenze zwischen den offensichtlichen Bösewichten und den Guten. Nach dem ich das Buch nun fertig gelesen habe wage ich zu bezweifeln, dass es überhaupt einen komplett guten Charakter gibt. Seth und Raine haben mir mal gut und häufiger absolut gar nicht gefallen. Ihre Beziehung fing viel zu früh mit Sex an und zu 85 % war das auch der Inhalt. Immer nur Sex. Die Hintergrundgeschichte der Rache, des Vergeltungsschlages, Einblicke in die Pläne der "Feinde" wurden dafür ganz schön arg kurz gehalten - aber nicht vernachlässigt. Man kann diese Handlungen nachvollziehen, die Szenen sind gut umschrieben - vielleicht etwas zu lang. Seth ist nicht nur arrogant und sexbesessen, sondern auch noch Misstraurisch, penibel und ein Arschloch. Er spielt seine Spielchen mit jedem. Letztendlich hat die Geschichte dann aber eine klare Richtungsänderung und das macht den fiesen Teil vergessen, weswegen ich nicht mehr näher darauf eingehen möchte. Das Buch hat mich einerseits gepackt, andererseits einfach nur aufgeregt und ich habe keinen Schimmer in welche Kategorie ich es packe. Ein Erotikroman kommt vielleicht nahe dran, auch wenn ich noch nie einen gelesen habe, aber ein Thriller ist es definitiv auch nicht. Ich bin hilflos.^^ Ich glaube ich muss es einfach nochmal lesen um meine Zweifel zu bezwingen. Denn vom Schreibstil war es ganz gut!

Die Nacht hat viele Augen
Die Nacht hat viele Augenvon Shannon McKennaLYX