13. Juni
Bewertung:4

Mit „Tanz der Ahornblätter“ aus dem Verlag Lübbe schlägt Sarah Lark ein neues Kapitel auf und verlässt ihre bekannten Schauplätze Neuseeland und die Karibik zugunsten des Kanadas der 1860er Jahre. Im Mittelpunkt steht nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern vor allem die Frage, wie viel Menschen bereit sind aufzugeben, um ihr eigenes Glück zu finden. Die junge Vivian wächst in einer adligen Familie in England auf. Ihr Leben scheint vorbestimmt: eine standesgemäße Ehe, gesellschaftliche Verpflichtungen und ein Dasein innerhalb der engen Grenzen ihrer Herkunft. Doch Vivian ist keine Frau, die sich mit einem vorgegebenen Schicksal zufriedengibt. Als sie sich in Ross verliebt, den Stallmeister ihres Vaters, überschreitet sie eine Grenze, die in ihrer Welt als unverzeihlich gilt. Ihre Entscheidung, mit ihm nach Kanada zu fliehen, zeigt ihren Mut, aber auch ihre Naivität. Vivian handelt oft impulsiv und folgt ihrem Herzen, ohne die Folgen vollständig abzuschätzen. Gerade dadurch wirkt sie lebendig und menschlich, aber durch ihre Naivität auch häufig nervig. Ross ist weit mehr als der klassische romantische Held. Er besitzt weder Vermögen noch gesellschaftliches Ansehen, dafür aber Charakterstärke. Während Vivian häufig von Gefühlen geleitet wird, denkt Ross pragmatischer. Seine Liebe zu Vivian ist aufrichtig, doch die Herausforderungen der Auswanderung stellen auch ihn immer wieder auf die Probe. Besonders interessant ist, dass ihre Beziehung nicht als märchenhafte Romanze dargestellt wird. Die sozialen Unterschiede verschwinden nicht einfach, sondern beeinflussen ihr gemeinsames Leben weiterhin. Eine der stärksten Figuren des Romans ist Colleen. Sie flieht ebenfalls aus England, jedoch aus völlig anderen Gründen. Anders als Vivian hat sie gelernt, vorsichtig zu planen und Risiken abzuwägen. Während Vivian von Träumen und Gefühlen lebt, betrachtet Colleen die Welt mit größerem Realismus. Diese Gegensätze machen die Begegnungen der beiden Frauen besonders spannend. Colleen entwickelt sich schnell zu einer Figur, mit der man mitfiebert, weil sie ihre Zukunft mit Entschlossenheit und Klugheit selbst gestalten möchte. Für mich eindeutig der Symphatieträger des Romans. Die eigentliche Handlung beginnt mit der beschwerlichen Reise nach Kanada. Sarah Lark nimmt sich Zeit, die Überfahrt und die Hoffnungen der Auswanderer zu schildern. Fast alle Passagiere träumen von einem besseren Leben, viele vom schnellen Reichtum durch den Goldrausch in British Columbia. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass die Realität härter ist als die Träume. Krankheiten, Entbehrungen, Unsicherheit und die Gefahren der Wildnis begleiten die Figuren ständig. Der Goldrausch dient dabei weniger als Abenteuerkulisse, sondern vielmehr als Symbol für die Sehnsüchte der Menschen. Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Die Autorin beschreibt das raue Kanada so lebendig, dass man die endlosen Wälder, die Berge und die gefährlichen Wege zu den Goldfeldern förmlich vor Augen hat. Die Landschaft wird nicht nur zur Kulisse, sondern zu einer Kraft, die das Leben der Figuren beeinflusst. Kanada erscheint zugleich wunderschön und bedrohlich. Wie in ihren besten Familiensagas verbindet Sarah Lark historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen. Dabei stehen starke Frauen im Mittelpunkt, die gegen gesellschaftliche Grenzen kämpfen. Der Roman lebt weniger von spektakulären Wendungen als von den Entwicklungen seiner Figuren. Kritisch könnte man anmerken, dass Sarah Lark sich viel Zeit für Landschaftsbeschreibungen und historische Hintergründe nimmt. Dies dürfte jedoch auch zugleich ein positiver Aspekt für die Liebhaber sein. Wer die atmosphärischen und historischen Elemente ihrer Romane schätzt, wird genau darin eine große Stärke sehen. Insgesamt ist „Tanz der Ahornblätter“ ein gelungener Auftakt der Kanada-Dilogie. Der Roman verbindet eine bewegende Auswanderergeschichte mit einer glaubwürdigen Liebesgeschichte und starken Frauenfiguren. Fans von Sarah Larks großen historischen Sagas erhalten genau das, was sie an der Autorin lieben: Fernweh, Emotionen, historische Atmosphäre und Figuren, die ihren Platz in einer neuen Welt suchen.

Tanz der Ahornblätter
Tanz der Ahornblättervon Sarah LarkLübbe Audio
1. Juni
Bewertung:4

Gelungener Auftakt einer neuen Auswanderersaga ins raue Goldgräber- Kanada Die Geschichte startet in 1861. Vivian aus adligem Hause, zurück aus Paris, wo sie viele Balletstunden genommen hat und sich dabei in ihren Lehrer Jean-Luc verliebt hatte, ist nun zurück auf ihrem Landgut und verliebt sich jetzt in den Stallburschen Ross. Dieser wird daraufhin entlassen und fasst den Plan nach Kanada auf die neuen Goldgräberfelder auszuwandern. Es gibt eine anwerbende Auswanderergesellschaft, die die Reise komplett organisiert haben. Vivian gelingt die Flucht mit Ross und schon bald sitzt sie auf dem Auswandererschiff. Hier lernt sie Coleen kennen, eine Frau aus ärmlichen Verhältnissen, die das harte Leben bereits kennen gelernt hat. Vivian geht an die Dinge eher unbedarft ran, war sie bisher auch sehr behütet. Und es kommt, wie es kommen muss, die Auswanderergesellschaft hat den Auswanderern zu viel versprochen und so müssen sich Vivian und Ross in Kanada allein auf den Weg machen und das sind hier sehr weite. Dabei lernen sie nicht nur das raue Kanada kennen, sondern auch die indigene Bevölkerung. In einem weiteren Handlungsstrang wird die Geschichte von Jean-Luc erzählt, der zunächst in Paris an der Oper tanzt, später aber fliehen muss, da er als junger Mann von Bonaparte als Kanonenfutter eingezogen wird und nicht dazu in den Krieg ziehen will. Und auch sein Weg führt ihn schließlich nach Übersee. Ich kenne Sarah Lark seit ihrem ersten Buch vor ca. 20 Jahren und habe auch die neueren unter ihrem Pseudonym Christina Rey gelesen. Mit ihrem ersten Buch nahm sie den Leser mit nach Australien, deshalb war ich auch so auf diesen Band gespannt, ob die Geschichte mich ähnlich wie damals begeistern kann. Und auch dieser erste Teil der neuen Saga hat mir wirklich gut gefallen. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft, der damaligen Lebensumstände bei den Goldgräbern, die der indigenen Bevölkerung, aber auch in den aufstrebenden Städten haben mich sehr gefesselt. Vivian macht auch eine Entwicklung durch, allerdings empfand ich sie manchmal als sprunghaft. Nun gut, solche Menschen gibt es natürlich und das hat ja auch was spannendes in einem Buch. Besonders gut hat mir aber der Handlungsstrang um Jean-Luc gefallen, ich mochte ihn und seine Erlebnisse einfach. Natürlich spitzt sich alles in dem Buch so zu, dass ich dahin fieberte, ob und wie sich Vivian und Jean-Luc begegnen. Da möchte ich auch nicht zuviel verraten. Was mich allerdings ein wenig enttäuschte war, dass die Erzählungen insgesamt rund um die Liebe und die Gefühle eher weniger Raum eingenommen hat. Da hätte ich mir mehr gewünscht, denn eigentlich lief ja alles darauf für mich hinaus. Dennoch hat mich Sarah Lark mit diesem ersten Teil sehr gut unterhalten. Wer Auswanderergeschichten mag, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ich empfehle den Roman daher sehr gerne weiter.

Tanz der Ahornblätter
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