3. Apr.
Toller Debütroman 🤩📖 🤩
Bewertung:5

Toller Debütroman 🤩📖 🤩

Das Buch spielt im schwäbischen Blaubeuren und erzählt die Geschichte von Anna, die in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels und zur Zeit des 1. Weltkriegs ihren eigenen Weg finden muss. Nach und nach ein vielschichtiges Bild ihrer Lebenswelt, geprägt von Familie, Erwartungen und persönlichen Entscheidungen. Man erfährt viel vom Leid welches durch das Kriegsgeschehen ausgelöst wurde. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Besonders das schwäbische Setting rund um Blaubeuren hat mich sofort abgeholt – gerade weil ich selbst aus Württemberg komme und ein großes Interesse an den historischen Hintergründen dieser Zeit habe. Die Stimmung im Buch wirkt authentisch und lebendig, sodass man sich gut in die Geschichte hineinversetzen kann. Sehr spannend fand ich die unterschiedlichen Sichtweisen, durch die sich die Handlung Stück für Stück zusammensetzt. Die gewählte Briefform hat mir dabei besonders gut gefallen, weil sie den Figuren eine eigene Stimme gibt und die Geschichte auf eine sehr persönliche Weise erzählt wird. Die Protagonistin Anna empfand ich als sehr authentisch und sympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle waren für mich gut nachvollziehbar, und ich hätte tatsächlich gern noch länger von ihr gelesen. Auch die in die Handlung eingewobene Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen! Diese fügt sich stimmig ein, ohne zu dominant zu sein. Einfach schön 🤩 Insgesamt ist „Die Tochter des Zementbarons“ für mich ein gelungener Debütroman, den ich sehr gern gelesen habe. Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus und freue mich schon darauf, weitere Bücher von Sylvia B. Barron zu entdecken.

Die Tochter des Zementbarons
Die Tochter des Zementbaronsvon Sylvia B. BarronBrunnen Verlag GmbH
9. Nov.
Bewertung:4

Was für ein wundervoller Debütroman, der einem ganz intensiv zeigt, wie wichtig es ist, nie vorschnell zu verurteilen oder sich von der Masse mitreißen zu lassen, ohne die genauen Fakten zu kennen oder die Folgen zu überdenken. Gleichzeitig musste auch ich meine anfängliche Abneigung gegen die egoistische, uneinsichtige Art Annas korrigieren, denn durch ihre Geschichte bewirkt die Autorin auch bei jedem Leser ein Umdenken. Die spannungsgeladene Gegenüberstellung von wohlhabendem Bürgertum und den einfachen Lohnarbeitern, deren Unzufriedenheit immer mehr hochkocht macht sie durch die genau passenden Charaktere so greifbar und authentisch. Man wird sofort in die Handlung reingezogen, teils faszinierend aber manchmal auch fassungslos - eine ganz spezielle Mischung und doch so gut, weil es so viele Emotionen weckt. So traurig die Entwicklung zwischenzeitlich ist und auch Anna auf teilweise sehr schmerzhafte Weise lernen muss, gewisse Ansichten zu überdenken und sich von Gott formen zu lassen, so ergreifend und eindrucksvoll wird dies geschildert. In Verbindung mit dem 1.Weltkrieg und der zahlreichen Lieder und Briefe von Soldaten, entsteht eine Geschichte, die einen noch lange beschäftigt hält, die die ganze Sinnlosigkeit von Krieg und Standesdenken verdeutlicht und es durch einen ganz besonderen Satz passend zusammenfasst: "Und doch kann Gott noch gute Dinge aus Fehlern wachsen lassen. Keiner ist perfekt." (Buchzitat) Je tiefer man eintaucht, desto mehr erlebt man, wie die Ereignisse immer mehr verknüpft werden. Es ist anfangs wie ein Puzzle aus vielen Teilen, das nach und nach durch Erleben und Korrektur wieder zu einem wunderschönen Gesamtbild zusammengefügt wird. Ein empfehlenswerter historischer Roman zur Zeit des 1.Weltkriegs mit tollem Lokalkolorit in Blaubeuren, der auf ganz unterschiedliche Art christliche Werte hervorhebt, die langsam, aber stetig wachsen und für so manche Überraschung sorgen.

Die Tochter des Zementbarons
Die Tochter des Zementbaronsvon Sylvia B. BarronBrunnen Verlag GmbH
17. Sept.
Bewertung:5

Sylvia B. Barron: Die Tochter des Zementbarons Verlag: Brunnen ET: 24.08.2022 367 Seiten ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ Kurzinhalt: Blaubeuren und Ostpreußen 1914: Anna Kran, Tochter des Blaubeurener Zementbarons ist jung, privilegiert und behütet aufgewachsen sowie vollkommen von der nationalistischen Pflicht aller Männer in einem Kriegsfalle überzeugt. Als der Erste Weltkrieg Ende Juli 1914 dann auch tatsächlich ausbricht, trifft sie eine Entscheidung, die sie später noch einholen wird, nutzt aber auch die Gunst der Stunde sich ein wenig von der häuslichen Enge zu befreien, indem sie sich freiwillig als Rotkreuzschwester meldet. Doch wird sie bestehen als der harte Kriegsalltag ins Lazarett nach Blaubeuren ankommt? Und was hat es mit dem mysteriösen Fremden auf sich, welcher schwer verletzt aus Ostpreußen ins Lazarett verlegt wird? Als Kriegsheld gefeiert, hat er Ansichten, mit denen Anna auf keinen Fall d'accord gehen kann – oder? ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ ▪︎ In der letzten Zeit konnte mich wohl kein Romandebut so beeindrucken und begeistern wie das von Sylvia B. Barron. Dies gründet sich vornehmlich auf drei Aspekte: 1. Der eng umrissene historische Rahmen der ersten Kriegsmonate, die einen Bogen von der allgemeinen immens dynamischen Kampfbegeisterung bis hin zur ersten Ernüchterung ob beginnendem Stellungskrieg und ersten Niederlagen bei den Soldaten sowie an der Heimatfront aufgrund der ausgeprägten Grausamkeit! 2.Der sprachlichen Qualität, Finesse und Authentizität, welche den Leser sofort an der Hand in die Geschichte führt, flüssig und stilecht an die Charaktere angepasst weitergeführt wird, um sich letztlich durch die eingebundenen Briefe wahrlich in die Zeit hinein- bzw. zurückversetzt fühlt. 3. Die beeindruckende Figurenzeichnung, die nicht nur viel Raum zur Entwicklung lässt, sondern die die Geschichte aus ihren verschiedenen Sichtweisen erzählenden Charaktere vollkommen glaubhaft und realistisch erscheinen lassen. Die Autorin hat ihrem Roman eine erzählerische Multiperspektivität zugrunde gelegt, wodurch der Leser demnach nicht nur ein umfassendes Bild dieser turbulent-einschneidenden Zeit des beginnenden Krieges vermittelt bekommt, nimmt Sylvia B. Barron den Leser an West- und Ostfront sowie in den alltäglichen Kriegsalltag der Zivilbevölkerung mit, sondern gestaltet ihre handelnden Figuren genauso vielgestaltig. Mit Anna Kran ist eine Vetreterin des privilegierten Großbürgertums geschaffen, welche entsprechend sowohl Kaisertreu und bedingungslos nationalistisch als auch aufgrund ihrer Jugend auch in einzelnen Aspekten auch liberal geprägt ist, wohingegen mit Johann, einem der Arbeiter des Zementwerks der damaligen unteren Gesellschaftsschicht eine Bühne geboten wird. Bestimmen soziale Ungerechtigkeit, finanziell basierte alltägliche Sorgen und ausbeuterische und harte Arbeitsbedingungen das Leben von Johann und seiner Frau Minna, erscheint es umso verständlicher, dass Johann glühend die Ideen und Ideale der Sozialdemokraten unterstützt. Mit dem Theologen und Vikar Hans Wilhelm schließlich hat die Autorin einen Charakter geschaffen, der mit dem ausgeprägten Militarismus des Wilhelminischen Kaiserreiches hadert, sondern auch einen trotz erschütternder Ereignisse im Glauben verhaftete Persönlichkeit. Besonders gelungen gestaltet sich die Tatsache, dass Sylvia B. Barron keine perfekten Protagonisten, sondern Figuren mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwäche entworfen hat, die auch Zweifel haben, Fehler begehen oder zu schnell verurteilen. Im weiteren Verlauf der Handlung werden die Lebenswege und -welten der anfänglich ein wenig isoliert und für sich auftretenden Charaktere geschickt miteinander verflochten, sodass spezifische Ereignisse oder Erfahrungen nicht nur eine teils tiefgreifende Entwicklung bedingen, sondern zudem ein bestimmtes Verständnis zwischen dem handelnden Trio entstehen lassen. Darüber hinaus war es sehr schön zu sehen, wie der Glaube an Gott im Laufe des Buches jeden der Protagonisten auf seine bestimmte Weise beschäftigt und so auch auf dieser Ebene die vorherigen Ansichten reflektieren lässt. Die große Gnade Gottes, mit welcher bei Reue Vergebung geboten und gewährt wird, ist genauso wie Gemeinschftlichkeit und Nächstenliebe Aspekt des christlichen Gehalts. Besonders lebendig wie auch bedrückend ob der Sinnlosigkeit und Grausamkeit von Kriegshandlungen gestaltet sich der Roman neben der detaillierten Recherche durch die fließende Einbindung von Primärquellen, wie den bekannten Sprüchen und Reimen der Kriegseuphorie oder Schlagzeilen und anderen Zeitdokumenten. Fazit: Ein durchweg in Sprache, Erzählstruktur, historischer Darstellung und Charaktergestaltung wie -entwicklung überzeugender und ungemein starker und von wunderbarem Lokalkolorit abgerundeter Roman, welcher nicht nur Ansichten und Handlungsweisen realistisch reflektierend darstellt sowie mit leichter Hand christliche Tugenden aussagekräftig, jedoch ohne missionarische Prägung einpflegt, sondern mit der gewählten Erzählweise aus drei Sichtweisen und somit drei vollkommen divergenten Lebenswelten den Zeitgenossen des 1. Weltkrieges ein literarisches Denkmal setzt. Ein großartiges Romandebüt, welches für mich eindeutig zu einem Jahreshighlight geworden ist!

Die Tochter des Zementbarons
Die Tochter des Zementbaronsvon Sylvia B. BarronBrunnen Verlag GmbH
12. Mai
Bewertung:5

Nationalismus - Sozialdemokatie und der Glaube

Angefangen mit dem Lesen war meine Phantasie direkt beflügelt und ich befand mich in einem Film, der um 1914 spielt. Ich fand mich schnell in die Geschichte rein. Der Schreibstil war leicht und fließend lesbar, der Erzählstil fesselnd. Die Beschreibung der Protagonistin ließ mir eine Seniorin in ihren jungen Jahren vor Augen erscheinen, die ich mal in ihrem hohen Alter pflegte. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht einer Fabrikantentochter. Anna ist nationalistisch und ihr Herz brennt für König und Vaterland. Aber mit der politischen Lage kennt sie sich nicht wirklich aus. Wäre sie ein Mann, dann wäre sie sofort und freiwillig in den Krieg gezogen. Die zweite Sicht wird von Johann erzählt, einem Arbeiter. Durch seine Geschichte erfährt der Leser wie es der Arbeiterklasse um 1914 erging, ihre Arbeitsverhältnisse und Ungerechtigkeit sowie Armut. Er kämpft für Veränderungen der Arbeitssituation. Heutzutage kann man sich diese Verhältnisse nicht vorstellen und man hat Mitleid mit den Menschen, die zu der Zeit lebten. Unaufdringlich kommt der Glaube an Gott in dieser Geschichte zu Wort. Hans Wilhelm ist der Sohn eines Generals, der keine Karriere beim Militär einschlug, sondern sich dem Dienste Gottes verschrieb. Er studierte Theologie und ist kurz vor der Vereidigung zum Pfarrer, als der Krieg beginnt. Irgendwo in Ostpreußen ist er im Vikariat. Schön fand ich die Verarbeitung der alten Lieder aus dem ersten Weltkrieg in die einzelnen Szenen. Auch, dass die schriftliche Kommunikation der damaligen Zeit in einer altdeutschen Schriftart geschrieben ist. In diese Schriftart musste ich mich erst hineinlesen. Schade finde ich, dass die Liebesgeschichte erst gegen Ende des Buches so richtig ins Rollen kam. Diese hätte ich mir schon viel früher gewünscht. Trotz alledem ist Sylvia mit diesem Buch ein ganz toller unterhaltsamer und gut recherchierter historischer Debütroman gelungen, den ich gern und von Herzen weiterempfehlen kann.

Die Tochter des Zementbarons
Die Tochter des Zementbaronsvon Sylvia B. BarronBrunnen Verlag GmbH